„Dem Hass keinen weiteren Millimeter!“ Stellungnahme zum islamistischen Terrorangriff auf den CSD Berlin

Wir sind voller Trauer. Eine Person hat auf brutalste Weise ihr Leben verloren. 29 Menschen wurden verletzt, teils schwer. Ihnen, ihren Angehörigen und allen Zeug*innen dieses schrecklichen islamistischen Terrorangriffs gilt unser tiefstes Mitgefühl und unsere umfassende Solidarität.

Wir sind schockiert und aufgewühlt. Dieser Angriff gilt queeren Communitys als Ganzes. Er gilt uns als Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans*, Inter* und Nichtbinären und er hätte uns alle treffen können. Er hätte an jedem Ort und auf jedem CSD passieren können. Die Folgen sind:  Angst, Ohnmacht und Unverständnis einerseits, Wut, Entschlossenheit und Zusammenhalt andererseits. „Wir haben Angst vor einer Zunahme der Gewalt. Aber wir kämpfen weiter und bleiben sichtbar!“, so Patrick Orth (Vorstand Queeres Netzwerk NRW).

Wenn friedlich demonstrierende Menschen auf einem CSD angegriffen und getötet werden, ist das nicht nur ein Anschlag auf queere Communitys, sondern auch ein Angriff auf die Demokratie. Der islamistische Anschlag zerstört und bedroht die Würde des Menschen, die körperliche Unversehrtheit, die Versammlungs- und Meinungsfreiheit – und verneint ganz bewusst die Gleichwertigkeit queerer Menschen.

Der Kampf gegen Extremismus – gegen Islamismus, Rechtsextremismus und jede andere menschenfeindliche Ideologie, die Menschen ausgrenzt, entrechtet, entwürdigt, verfolgt und zu Feind*innen macht – ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Dieser Kampf gehört jeden Tag auf die politische Agenda und nicht nur dann, wenn Menschen verletzt und getötet werden. Patrick Orth appelliert: „Queere Communities brauchen keine Lippenbekenntnisse, sondern jetzt und sofort mehr Schutz vor jeglichem Extremismus. Es geht um Leben und Tod.“

Überall in NRW und Deutschland finden derzeit CSDs statt – und zwar weil es sie braucht. Sie machen sichtbar, dass Diskriminierung und Queerfeindlichkeit fortbestehen. Wenn aus Angst vor Anschlägen weniger oder nicht demonstriert wird, nimmt unsere Freiheit Schaden. Allen CSD-Organisator*innen gilt unser allergrößter Dank für ihr unermüdliches und unerschrockenes Engagement – es ist so wichtig wie schon lange nicht mehr! Von der Politik erwarten wir, dass die CSDs in NRW gestärkt werden – durch politische Präsenz, umfassende Sicherheitsmaßnahmen und eine Erhöhung der CSD-Förderung. Es kann nicht sein, dass CSDs nicht stattfinden können, weil Geld für Sicherheitsmaßnahmen fehlt.

Rechtsextreme Akteur*innen nutzen den Anschlag schon wenige Stunden später, um Stimmung gegen muslimische Menschen zu machen. Das ist widerwärtig. Der Angriff auf den CSD in Berlin richtete sich auch gegen queere Muslim*innen. Die Gleichstellung von Islam und Islamismus ist falsch. Uns erreichen viele Solidaritätsbekundungen muslimischer Vereine, die sich klar gegen jede Form queerfeindlicher Gewalt stellen.

Wir erwarten von Menschen, Politik und Unternehmen Solidarität und Unterstützung. Queere Menschen sind selbstverständlicher Teil unserer Gesellschaft – zeigen Sie das und stehen Sie dafür ein! Unterstützen Sie gerade jetzt ihren lokalen CSD durch Anwesenheit und Sponsoring. Widersprechen Sie queerfeindlichen Aussagen im öffentlichen Raum und im Netz entschlossen! Tun Sie das heute und tun Sie es in Zukunft.

Allerdings beobachten wir mit Befremden, wie öffentliche Förderprogramme im Bund gestrichen oder die Förderung für das queere Jugendnetzwerk lambda gekündigt wird. Das ist falsch. Richten Sie stattdessen gerade jetzt Förderprogramme für queere Communitys ein, stärken Sie kommunale Angebote und Beratungsstellen, bauen Sie die Meldestellen aus, erhöhen Sie die Anzeigenbereitschaft, schaffen Sie Sensibilisierungsmöglichkeiten für Polizei, Lehrkräfte und generell alle Fachkräfte. Queerpolitik muss jetzt und dauerhaft entschlossen gestärkt werden.

Wir als Queeres Netzwerk NRW werden auch zukünftig mit ganzer Kraft daran arbeiten, dass Hass, Hetze und Menschenfeindlichkeit nicht gewinnen. Angst und Gewalt dürfen niemals darüber entscheiden, wer sichtbar, frei und unversehrt leben darf – und wer nicht. Lassen Sie uns zusammenstehen und diese Arbeit gemeinsam voranbringen. Dem Hass keinen weiteren Millimeter!

„Familienvielfalt anerkennen – Regenbogenfamilien in NRW gleichstellen“: Stellungnahme der Landesfachstelle Regenbogenfamilien NRW zum Familienbericht NRW

Unter dem Titel „Familien im Blick – Lebenslagen verstehen. Zukunft gestalten.“ hat die Landesregierung am 9. Juli 2026 einen Familienbericht veröffentlicht. Damit liegt erstmals seit 2015 wieder eine wissenschaftlich fundierte, an den Lebenslagen orientierte Bestandsaufnahme der Familien in Nordrhein-Westfalen vor.

Ministerin Verena Schäffer betont in der Einleitung: „Das Familienleben in Nordrhein-Westfalen ist bunt und vielfältig wie nie zuvor. Klassische Rollenbilder wandeln sich und neue Familienformen gewinnen an Bedeutung. Familie ist heute kein starres Modell mehr, sondern spiegelt eine Vielzahl von Lebensentwürfen und Erfahrungen wider.“

Diese Perspektive begrüßen wir. Folgerichtig setzt der Bericht einen Schwerpunkt auf die Vielfalt von Familien und nimmt damit auch queere Familien in den Blick. Im Vorfeld fand ein Familiendialog mit Regenbogenfamilien statt, der im Rahmen des von unserer Fachstelle anlässlich des International Family Equality Day veranstalteten Familienfests im Mai 2025 in Münster durchgeführt wurde.

Zahlen und Daten: wichtige Hinweise, aber lückenhafte Erfassung

Die im Bericht ausgewerteten Daten des Mikrozensus 2024 zeigen:

Diese Zahlen sind ein wichtiger Schritt zu mehr Sichtbarkeit – sie verdeutlichen jedoch zugleich, dass die Datenlage zu Regenbogenfamilien weiterhin lückenhaft ist.

Kinderwunsch und Elternschaft: rechtliche und finanzielle Barrieren

Eine landesweite Online-Befragung queerer Familien (2024) zeigt, dass fast 50 % der LSBTIQ*-Eltern Hürden bei der Umsetzung ihres Kinderwunsches erlebt haben. Genannt werden vor allem rechtliche und finanzielle Belastungen, insbesondere bei Kinderwunschbehandlungen – etwa beim Zugang zu medizinisch assistierter Reproduktion und durch die weiterhin fehlende rechtliche Anerkennung der Co-Mutterschaft bei lesbischen und nicht-binären Elternpaaren.

Für schwule Paare bleiben häufig Auslandsadoption oder eine (kommerzielle oder altruistische) Leihschwangerschaft als Optionen; entsprechend kommen Kinder in schwulen Familien überdurchschnittlich oft aus früheren heterosexuellen Beziehungen.

Zudem bilden staatliche Dokumente die Realität nicht verlässlich ab: Die Einträge „Mutter“ und „Vater“ in Geburtsregister und Geburtsurkunden werden trans* und inter* Personen weiterhin nicht gerecht. Die Übergangslösung im Selbstbestimmungsgesetz (§ 11 SBGG, in Kraft seit 1. November 2024) hat daran bislang wenig geändert.

Lebenslagen: Diskriminierung, Minderheitenstress, Verunsicherung

Trotz gestiegener Akzeptanz erleben Regenbogenfamilien weiterhin Diskriminierung, Ablehnung und teils Hassgewalt. Studien verweisen auf Folgen von Minderheitenstress, der psychische Belastungen verstärken kann. Viele Familien berichten zudem von einer wachsenden Sorge, dass sich das gesellschaftliche Klima verschlechtert und erreichte Reformen wieder infrage gestellt werden könnten.

Forderungen aus dem Familiendialog: Anerkennung, Gleichstellung und Ausbau der Beratungsinfrastruktur

Der Bericht benennt Forderungen aus dem Familiendialog, die wir ausdrücklich unterstützen. Im Zentrum steht die gesellschaftliche und rechtliche Anerkennung von Regenbogenfamilien als gleichwertig – einschließlich einer Reform des Abstammungsrechts.

Konkret braucht es:

Eine sichtbare sowie queersensible Beratungsinfrastruktur stellt dabei eine wichtige Unterstützung dar und begleitet Regenbogenfamilien in allen Lebenslagen. In der Praxis zeigen sich jedoch Lücken: Viele Beratungsangebote sind bislang nicht auf die besonderen Bedürfnisse von Regenbogenfamilien eingestellt, zudem gibt es ein Gefälle zwischen Stadt und Land. Nötig sind flächendeckende Angebote, zentrale Anlaufstellen zur Unterstützung von Familien und Behörden sowie eine landesweite Übersicht queersensibler Unterstützungsmöglichkeiten.

Der Familienbericht weist zudem darauf hin, dass das Familienrecht Mehreltern-Familien bislang nicht angemessen berücksichtigt. Auch hier ist eine Anpassung an gelebte Realitäten erforderlich.

Politische Reformen konsequent umsetzen

Der Familienbericht liefert eine wichtige Grundlage für politische Gestaltung. Aus Sicht der Landesfachstelle Regenbogenfamilien NRW ergeben sich daraus klare Handlungsbedarfe:

Als Landesfachstelle Regenbogenfamilien NRW unterstützen wir diese Ziele dauerhaft. Es braucht eine verlässliche, langfristige Förderung von Beratungs- und Gruppenangeboten für queere Familien sowie der Landesfachstelle Regenbogenfamilien NRW. Nur so können Regenbogenfamilien in NRW wirksam begleitet und Strukturen nachhaltig gestärkt werden.

Downloads:

Jahresbericht MIQ NRW: Lagebild Queerfeindlichkeit NRW 2025

Die Melde- und Informationsstelle Queerfeindlichkeit (MIQ NRW) wirft mit ihrem ersten Jahresbericht für das Jahr 2025 einen ersten Lichtkegel auf das große Dunkelfeld im Bereich Queerfeindlichkeit in Nordrhein-Westfalen.

Seitdem MIQ NRW am 17. März 2025 gestartet ist, sind für das Kalenderjahr 2025 insgesamt 258 queerfeindliche Vorfällen in NRW gemeldet und ausgewertet worden. Hierzu zählen sowohl strafrechtlich relevante Vorfälle als auch Vorfälle unterhalb der Strafbarkeitsgrenze.

Die eingegangenen Meldungen decken ein weites Spektrum an Queerfeindlichkeit ab, das beispielsweise von Diebstahl oder Vandalismus bei queeren Symbolen über subtile Formen von Diskriminierung wie Mikroaggressionen bis hin zu Beleidigungen, Drohungen oder physischer Gewalt reicht. 196 (76 %) dieser Meldungen sind von Betroffenen getätigt worden, 42 (16 %) von Zeug*innen und 20 (8 %) von Organisationen. Zusätzlich gab es insgesamt 30 Angriffs- und Hassmeldungen auf MIQ NRW selbst.

Knapp zwei Drittel (64 %) der gemeldeten Vorfälle werden Belästigungen zugeordnet, zum Beispiel Anfeindungen, Beleidigungen, Erniedrigungen und/oder Mobbing. Darüber hinaus wurden auch Vorfälle über physische Gewalt wie Körperverletzung und Sachbeschädigung, aber auch subtile Formen von Diskriminierung und die Verwehrung von Rechten auf strukturellen und institutionellen Ebenen gemeldet: dazu zählen etwa Lächerlich machen, Ansprache mit dem falschen Pronomen oder mit dem Deadname sowie verwehrte Zugänge zum Wohnungsmarkt oder zu Toiletten. Mehr als ein Fünftel aller Vorfälle (56 Vorfälle, 22 %) beinhaltet Mehrfachdiskriminierung, also neben Queerfeindlichkeit auch Überschneidungen beispielsweise mit Rassismus, Sexismus oder Frauenfeindlichkeit. Die Lebensbereiche, in denen Queerfeindlichkeit am häufigsten registriert wurde, sind der öffentliche Raum (111 Vorfälle, 43 %), Bildungseinrichtungen (31 Vorfälle, 12 %), der Einzelhandel- oder Dienstleistungssektor (25 Vorfälle, 10 %) sowie digitale Räume (23 Vorfälle, 9 %). Teilweise haben Meldende auch mehrere Lebensbereiche angegeben, sodass sie sich in manchen Fällen überschneiden können.

Aus den getätigten Meldungen kristallisieren sich ähnliche Erkenntnisse heraus, wie sie bereits die 2025 veröffentlichte Lebenslagenstudie „Queer durch NRW“ des Landes Nordrhein-Westfalen feststellte: so sind etwa Menschen, die trans* und/oder nichtbinär (94 der 196 selbstbetroffenen Meldenden, 48 %) sind, überproportional von Diskriminierung und Übergriffen betroffen. Trans*- und Schwulenfeindlichkeit sind mit jeweils 35 % die häufigsten gemeldeten Formen von Queerfeindlichkeit. Zudem geht aus den Meldungen hervor, dass von Betroffenen und Zeug*innen nur ein Zehntel (11 %) die Vorfälle bei der Polizei melden und sogar nur knapp 4 % Beratungsstellen aufsuchen. MIQ NRW gelingt es also, Diskriminierung zu erfassen, die in Statistiken bisher keinen Eingang gefunden hat.

Die Auswirkungen von Queerfeindlichkeit sind gravierend. Knapp 39 % der Betroffenen berichten von Angst, Ohnmachts- und Minderwertigkeitsgefühlen und Hilflosigkeit. Auf Basis der ausgewerteten Meldungen hat MIQ NRW Handlungsempfehlungen für die Politik abgeleitet, mit welchen Mitteln Queerfeindlichkeit bekämpft und queere Communities sowohl besser geschützt als auch gestärkt werden können. Denn die gesellschaftliche Akzeptanz von queeren Menschen ist essenziell für eine funktionierende Demokratie.

„Die von MIQ NRW veröffentlichten Zahlen bestätigen, was queere Menschen seit Jahren wissen: Queerfeindlichkeit richtet massiven Schaden an. Der Bericht untermauert die Dringlichkeit von Präventions- und Schutzmaßnahmen für queere und insbesondere trans*, inter* und nichtbinäre Menschen. Die politische Zögerlichkeit bei der Bekämpfung von Queerfeindlichkeit ist nicht hinnehmbar.“ Vorstand Queeres Netzwerk NRW

Der vollständige Jahresbericht 2025 der Melde- und Informationsstelle Queerfeindlichkeit MIQ NRW steht ab jetzt in digitaler Form im Shop des Queeren Netzwerks NRW zum kostenfreien Download bereit.

CSD-Empfang 2026: Protest und Zusammenhalt für Vielfalt, Freiheit und Demokratie

Köln, 4. Juli 2026 – Mit einem eindringlichen Appell an Politik und Gesellschaft haben das Queere Netzwerk NRW und die Aidshilfe NRW beim 27. gemeinsamen CSD-Empfang in Köln für den Schutz von Demokratie, Menschenrechten und queerer Vielfalt geworben. Vor rund 900 Gästen aus Politik, Zivilgesellschaft, Medien und den Communitys machten beide Landesverbände deutlich: Die zunehmende Queerfeindlichkeit, rechtsextreme Bedrohungen und die Kürzungen demokratiestärkender Projekte gefährden den gesellschaftlichen Zusammenhalt und erfordern entschlossenes politisches Handeln.

In ihrer gemeinsamen Rede würdigten Laura Becker, Vorstandssprecherin des Queeren Netzwerks NRW, und Arne Kayser, Landesvorsitzender der Aidshilfe NRW, die CSD-Bewegung als eine der wichtigsten demokratischen Protestbewegungen Deutschlands. „Die Sichtbarkeit, die Rechte und die gesellschaftliche Teilhabe queerer Menschen mussten hart erkämpft werden. Die CSDs stehen seit Jahrzehnten für Mut, Solidarität und den Einsatz für Freiheit und Gleichberechtigung. Gerade heute sind sie wichtiger denn je!“

Mit Sorge verwiesen beide Verbände auf den erneuten Anstieg queerfeindlicher Straftaten sowie auf die zunehmenden Einschüchterungsversuche gegen CSDs und queere Einrichtungen. „Hass ist keine Meinung, sondern eine reale Bedrohung für Menschen und unsere Demokratie. Wer queere Menschen angreift, greift die offene Gesellschaft insgesamt an“, so Becker. Gleichzeitig rief sie dazu auf, bestehende Schutzlücken zu schließen, queere Infrastruktur nachhaltig zu stärken und die Gleichstellung queerer Menschen konsequent weiter voranzubringen.

Arne Kayser hob insbesondere den Einsatz zahlreicher Ehrenamtlicher und Organisator*innen hervor, die vielerorts unter schwierigen Bedingungen CSDs veranstalten und sich rechtsextremen Anfeindungen entgegenstellen. „Sie verteidigen mit großem Mut demokratische Werte vor Ort. Ihnen gilt unsere uneingeschränkte Solidarität. Wer Vielfalt verteidigt, darf dabei nicht allein gelassen werden“, appellierte Kayser. Zugleich kritisierte er die geplanten Kürzungen zahlreicher Demokratie- und Präventionsprojekte: „Demokratieförderung ist keine freiwillige Leistung. Sie ist eine Investition in den gesellschaftlichen Zusammenhalt.“

Mit Blick auf die zahlreichen CSDs in Nordrhein-Westfalen und bundesweit unterstrichen Becker und Kayser die Bedeutung der Bewegung: „CSDs sind weit mehr als bunte Feste. Sie sind sichtbarer Protest, gelebte Demokratie und Ausdruck einer Gesellschaft, in der alle Menschen frei und ohne Angst leben können. Diese Errungenschaften werden wir gemeinsam verteidigen.“

Im Mittelpunkt des diesjährigen Empfangs stand die Verleihung der Kompassnadel 2026 an die CSD-Bewegung in Deutschland. Mit der Auszeichnung würdigt das Queere Netzwerk NRW die entscheidende Rolle der Christopher Street Days für die gesellschaftliche Sichtbarkeit, die rechtliche Gleichstellung und den Schutz queerer Menschen. Stellvertretend für die bundesweite Bewegung nahmen die CSD-Vernetzer*innen aus NRW Sabrina Reznizek, Toni Nezi und Pacco Menzel die Auszeichnung entgegen.

Die Laudatio hielt Entertainer, Moderator und Regisseur Thomas Hermanns, der die CSD-Bewegung als unverzichtbaren Bestandteil demokratischer Protestkultur würdigte. Knallblech – Brassband meets DJ sorgte musikalisch für Feierlaune und Oliver Schubert führte als Moderator mit Esprit durch das vielfältige Programm.

 

Jahresbericht 2025

Unser Jahresbericht 2025 ist erschienen und ab sofort in unserem Online-Shop erhältlich – sowohl zur Bestellung (kostenfrei für Adressen in NRW) als auch zum kostenfreien Download.

Neben Zahlen, Fakten und einer Übersicht über die vielfältige Arbeit unserer Fachstellen und Projekte bietet der Bericht spannende Einblicke in die Arbeit des Queeren Netzwerks NRW. Dazu gehören unter anderem ein Interview über das Besondere Organ LiNa (Lesben in NRW aktiv), queerpolitische Forderungen sowie Rückblicke auf wichtige Veranstaltungen und Auszeichnungen. Ein besonderer Fokus liegt auf Ereignissen wie dem jährlichen Gedenken an die queeren Opfer der NS-Zeit am 27. Januar, dem CSD-Empfang, der Verleihung der Kompassnadel an den SC Janus sowie der Auszeichnung CouLe für Dr. Birgit Palzkill.

Wir wünschen eine anregende Lektüre!

Q_munity: Jubiläumsfeier zum Zehnjährigen!

Dieses Jahr feiert das Projekt Q_munity – Rassismuskritik und Empowerment für die queere Jugendarbeit zehnjähriges Jubiläum. Zu diesem Anlass lädt Q_munity zur großen Jubiläumsfeier am 11.09.2026, 17:30-20:30 Uhr im Bürgerzentrum Ehrenfeld (BüZe) in Köln ein.

Neben der Möglichkeit, sich mit Fachkräften, politischen Vertreter*innen und der Community zu vernetzen, bietet die Jubiläumsfeier ein spannendes Bühnenprogramm mit Highlights aus der zehnjährigen Projektarbeit sowie Raum für Austausch mit den von Q_munity geförderten Projekten aus ganz NRW.

Als Teil des Queeren Netzwerks NRW arbeitet das Projekt Q_munity seit 10 Jahren daran, die Bedarfe und Erfahrungen junger Queers of Color und queerer Geflüchteten in der Jugendarbeit sichtbar zu machen und zielgerichteter zu berücksichtigen. Q_munity bietet Vernetzungs- und Bildungsangebote für Fachkräfte der queeren und/oder rassismuskritischen Jugendarbeit an. So wurden über die Jahre Angebote mit intersektionalen Schwerpunkten, wie Community, sexuelle Gesundheit, Religion, Klassismus, Neurodivergenz, Stress und Achtsamkeit, Asylrecht, Dekolonialität und Körperarbeit umgesetzt. Auch Empowerment-Angebote unterstützen die Fachkräfte dabei, ihre Resilienz gegen persönliche Belastung zu stärken.

Im Jahr 2026 fördert Q_munity stolze zehn lokale Projekte, die die Bedarfe der Zielgruppe von verschiedenen Standorten in ganz NRW aus ansteuern. Die lokalen Projekte bieten regelmäßige Treffs für junge Queers of Color an und erreichen ca. 160 junge Menschen. Die Projekte werden ihre Erfolge und Ziele auf der Jubiläumsveranstaltung präsentieren und laden zu Gesprächen ein.

Neben dem Programm und Netzwerken wird es ein vegetarisch-veganes Buffet geben.
Die Veranstaltung ist mit dem Rollstuhl erreichbar.
Anmeldungen sind möglich bis zum 1. September 2026.
Bei Rückfragen zum Event ist das Projektteam erreichbar unter: qmunity@queere-jugendfachstelle.nrw

Anmeldung: Q_munity Jubiläumsfeier
Zustimmung Datenschutzerklärung

CouLe 2026 geht an Anders Amen

Für ihr außerordentliches Engagement für queer-lesbische Rechte, Akzeptanz und Sichtbarkeit werden Ellen Radtke und Stefanie Radtke, Pastorinnen und Betreiberinnen des YouTube- und Instagram-Kanals „Anders Amen“, vom Queeren Netzwerk NRW mit der CouLe – Preis für Couragierte Lesben 2026 ausgezeichnet.

Mit ihrem Kanal erreichen sie queere Christ*innen, Jugendliche, Familien, Menschen in Gemeinden sowie auch nicht-queere Gläubige. Sie machen lesbisches Leben als Pastorinnen sowie als queere Familie sichtbar und setzen sich kritisch mit queerer Akzeptanz in religiösen Räumen auseinander. Queere kirchliche Themen besprechen sie unaufgeregt, aber mit klarer Haltung. Sie vertreten Werte wie Selbstbestimmung, Akzeptanz und Respekt innerhalb der evangelischen Kirche und setzen damit auch ein Zeichen gegen jene, die den Glauben missbrauchen, um Hass und Queerfeindlichkeit zu legitimieren. Ihre reichweitenstarke Sichtbarkeit und große Integrität ziehen oft Anfeindungen und (religiösen) Hass nach sich, von denen sie sich jedoch weder einschüchtern noch beirren lassen. Ihre Stimmen, die in die heteronormative Mehrheitsgesellschaft hineinwirken, sind eine brückenbauende und demokratiestärkende Konstante in politisch kritischen Zeiten. 

Die CouLe – Preis für Couragierte Lesben würdigt Frauen* und Lesben*, die durch ihr persönliches Vorbild und ihr Engagement dazu beitragen, dass lesbisches Leben im öffentlichen Raum eine positiv besetzte Sichtbarkeit erfährt und selbstverständlich, frei, offen und ohne Angst vor Diskriminierung gelebt werden kann. Ihr Wirken soll sichtbar gemacht und öffentlich honoriert werden.

Die feierliche Preisverleihung findet am Samstag, 19. September 2026, von 15-17 Uhr in Münster statt. Das Event wird von Gebärdendolmetschenden begleitet. Der genaue Veranstaltungsort wird demnächst auf unserer Webseite bekanntgegeben.

 

Anmeldung: CouLe 2026 Preisverleihung in Münster

Anmeldung CouLe 2026
Zustimmung Datenschutzerklärung

Online-Veranstaltung: Vorstellung des Lagebildes Queerfeindlicheit NRW 2025

Am 13. Juli 2026 wird der Jahresbericht der Melde- und Informationsstelle Queerfeindlichkeit (MIQ NRW) für das Kalenderjahr 2025 veröffentlicht. Interessierte aus queeren Communitys, der Zivilgesellschaft, aus Politik, Medien und kommunalen Einrichtungen sind herzlich zur Vorstellung des Lagebildes Queerfeindlichkeit NRW 2025 eingeladen. Die Online-Veranstaltung findet am Mittwoch, 22. Juli 2026, 12-14 Uhr über Zoom statt. Der entsprechende Link wird allen Angemeldeten wenige Stunden vor Veranstaltungsbeginn per E-Mail zur Verfügung gestellt.

Im Rahmen der zweistündigen Online-Veranstaltung werden die Auswertung queerfeindlicher Vorfälle für das Jahr 2025 sowie Handlungsempfehlungen gegen Queerfeindlichkeit vorgestellt. Nach den wissenschaftlichen und zivilgesellschaftlichen Kurzinputs wird es die Möglichkeit geben, Fragen zu stellen.

Anmeldung: Online-Vorstellung Lagebild Queerfeindlichkeit 2025
Zustimmung Datenschutzerklärung

Neue Mitgliedsgruppe: Queer in Langenfeld

Das Queere Netzwerk NRW begrüßt Queer in Langenfeld als neue Mitgliedsgruppe im Landesverband. Der Verein Queer in Langenfeld in der mittelgroßen Stadt Langenfeld wurde im November 2025 mit dem Ziel gegründet, queeres Leben in Langenfeld sichtbarer zu machen und Räume zu bieten, in denen sich Menschen unabhängig von Sexualität, Geschlecht oder Lebenssituation willkommen fühlen können.

Entstanden ist der Verein aus der Aktivengruppe „Wir für Demokratie Langenfeld“, mit der auch weiterhin gute Kontakte gepflegt werden, ebenso wie mit der VHS, der Stadtbücherei, der Jugendhilfe, mit Fachwerk e.V. und mit der AWO. Der monatliche Queer-Talk ist zu einem offenen Treffpunkt für Gespräche, neue Kontakte und Gemeinschaft geworden. Das bislang größte Projekt des Vereins ist der erste Christopher Street Day in Langenfeld am 11. Juli 2026.

4 Vorstandsmitglieder des Queeren Netzwerks NRW mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet

Der 2. Juni 2026 war ein besonderer Tag für queeres zivilgesellschaftliches Engagement in NRW: In der Staatskanzlei Düsseldorf würdigte Ministerpräsident Hendrik Wüst 15 Persönlichkeiten, die sich ihr Leben lang mutig für queere Rechte sowie ein offenes, vielfältiges und demokratisches Miteinander starkgemacht haben, mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen. Der Verdienstorden ehrt als höchste Auszeichnung des Landes traditionell den herausragenden Einsatz für das Gemeinwohl und das Land Nordrhein-Westfalen. Als Queeres Netzwerk NRW freuen wir uns besonders über die Anerkennung dieser Pionierarbeit für queere Sichtbarkeit und Gleichberechtigung, denn zu den ausgezeichneten Personen gehören auch vier ehemalige und aktuelle Vorstände unseres Landesverbandes: Peter Hölscher, Heike Kivelitz, Reinhard Klenke und Steffen Schwab.

In der Eröffnungsrede der Zeremonie hob Ministerpräsident Hendrik Wüst den Einsatz der 15 neuen Träger*innen des Verdienstordens für das Land Nordrhein-Westfalen für ein respektvolles, offenes und diskriminierungsfreies Miteinander hervor: „Sie schaffen Sichtbarkeit und Teilhabe und stoßen so gesellschaftliche Debatten an. Damit tragen sie dazu bei, dass unterschiedlichste Lebensrealitäten selbstverständlich ihren Platz in unserer Gesellschaft haben. Mit klarer Haltung und großem persönlichem Einsatz stärken sie den Zusammenhalt und zeigen, wie wichtig Respekt, Gleichberechtigung und gegenseitige Anerkennung für unser Zusammenleben sind. Sie sind Vorbilder, denen unser tief empfundener Dank und unsere höchste Anerkennung gilt.“

In seiner Laudatio an Peter Hölscher betonte er dessen Einsatz für die Gleichstellung von queeren Menschen mit Beeinträchtigung: „Sein Ziel ist, dass das wichtige Thema „Barrierefreiheit“ ganzheitlich gedacht wird.“ Peter Hölscher engagiert sich seit rund einem Jahrzehnt für die Akzeptanz queerer Menschen in Nordrhein-Westfalen, besonders für die Gleichstellung queerer Menschen mit Behinderung. Er prägt das Projekt LSBTIQ*inklusiv, war Mitinitiator des Queeren Zentrums Düsseldorf e.V. und ist Delegierter des Inklusionsbeirats des Landes Nordrhein-Westfalen. Als Vorstandsmitglied des Queeren Netzwerks NRW war er insgesamt 6 Jahre lang aktiv.

Heike Kivelitz wiederum brächte durch ihr Engagement Menschen zusammen und schaffe Räume, in denen sie sich sicher fühlen könnten, hob Wüst hervor. „Insbesondere lesbischen Frauen“ habe sie „Sichtbarkeit, Unterstützung und Gemeinschaft gegeben.“ Heike Kivelitz ist seit vielen Jahren in der lesbisch-queeren Selbstvertretung in Nordrhein-Westfalen aktiv. Sie prägte die Fusion der LAG Lesben in NRW mit dem Queeren Netzwerk NRW, gründete den lesbischen Selbsthilfeverein Leslie e.V. und war Mitgründerin des Dachverbands Queers an der Niers e.V., der die regionale Vernetzung queerer Strukturen stärkt. Seit 2024 engagiert sie sich außerdem im Vorstand der ARCUS Stiftung. Ihre Zeit im Vorstand zuerst der LAG Lesben NRW und dann des Queeren Netzwerks NRW beläuft sich auf gegenwärtig 14 Jahre.

Er sei ein „Pionier der schwulen Aufklärungsarbeit und ein starker Kämpfer gegen HIV und AIDS.“. Wüst ehrte das Engagement von Reinhard Klenke, der sich seit den 1970ern für „Aufklärung, Selbstbestimmung und Anerkennung“ einsetze, also „noch in einer Zeit, in der Ausgrenzung und Angst für viele Alltag waren.“ Reinhard Klenke engagiert sich in der HIV-/AIDS- und queeren Selbstorganisation in Nordrhein-Westfalen. Er war Mitbegründer der Aidshilfe Paderborn und des Queeren Netzwerks NRW (damals noch Schwules Netzwerk NRW), das er auch insgesamt 22 Jahre als Vorstand mitprägte. Zudem gehört er zu den Organisatoren des ersten Kölner Christopher Street Day (CSD). Über viele Jahre wirkt er in landes- und bundesweiten AIDS- und Netzwerkgremien mit und engagiert sich in der ARCUS-Stiftung, zeitweise als Vorsitzender.

Steffen Schwab wurde ausgezeichnet für seine langjährige Vorstandsarbeit im Queeren Netzwerk NRW (damals noch Schwules Netzwerk NRW), das er an der Spitze „zu einem Verband entwickelte, der heute die ganze Vielfalt der Community sichtbar macht.“ Steffen Schwab engagiert sich seit den 1990er Jahren in der queeren Vereins- und Verbandsarbeit – zunächst bei der Schwulen Initiative Siegen e.V., später insgesamt 22 Jahre im Vorstand des Queeren Netzwerks NRW. Dort setzt er sich für die Weiterentwicklung vom Schwulen Netzwerk zum Queeren Netzwerk ein und begleitete als dessen Vorstandsvorsitzender die Gründung und Entwicklung der ARCUS-Stiftung, in der er weiterhin als Vorsitzender des Stiftungsrates aktiv ist.

Bildrechte: Mark Hermenau