„Familienvielfalt anerkennen – Regenbogenfamilien in NRW gleichstellen“: Stellungnahme der Landesfachstelle Regenbogenfamilien NRW zum Familienbericht NRW

Unter dem Titel „Familien im Blick – Lebenslagen verstehen. Zukunft gestalten.“ hat die Landesregierung am 9. Juli 2026 einen Familienbericht veröffentlicht. Damit liegt erstmals seit 2015 wieder eine wissenschaftlich fundierte, an den Lebenslagen orientierte Bestandsaufnahme der Familien in Nordrhein-Westfalen vor.

Ministerin Verena Schäffer betont in der Einleitung: „Das Familienleben in Nordrhein-Westfalen ist bunt und vielfältig wie nie zuvor. Klassische Rollenbilder wandeln sich und neue Familienformen gewinnen an Bedeutung. Familie ist heute kein starres Modell mehr, sondern spiegelt eine Vielzahl von Lebensentwürfen und Erfahrungen wider.“

Diese Perspektive begrüßen wir. Folgerichtig setzt der Bericht einen Schwerpunkt auf die Vielfalt von Familien und nimmt damit auch queere Familien in den Blick. Im Vorfeld fand ein Familiendialog mit Regenbogenfamilien statt, der im Rahmen des von unserer Fachstelle anlässlich des International Family Equality Day veranstalteten Familienfests im Mai 2025 in Münster durchgeführt wurde.

Zahlen und Daten: wichtige Hinweise, aber lückenhafte Erfassung

Die im Bericht ausgewerteten Daten des Mikrozensus 2024 zeigen:

Diese Zahlen sind ein wichtiger Schritt zu mehr Sichtbarkeit – sie verdeutlichen jedoch zugleich, dass die Datenlage zu Regenbogenfamilien weiterhin lückenhaft ist.

Kinderwunsch und Elternschaft: rechtliche und finanzielle Barrieren

Eine landesweite Online-Befragung queerer Familien (2024) zeigt, dass fast 50 % der LSBTIQ*-Eltern Hürden bei der Umsetzung ihres Kinderwunsches erlebt haben. Genannt werden vor allem rechtliche und finanzielle Belastungen, insbesondere bei Kinderwunschbehandlungen – etwa beim Zugang zu medizinisch assistierter Reproduktion und durch die weiterhin fehlende rechtliche Anerkennung der Co-Mutterschaft bei lesbischen und nicht-binären Elternpaaren.

Für schwule Paare bleiben häufig Auslandsadoption oder eine (kommerzielle oder altruistische) Leihschwangerschaft als Optionen; entsprechend kommen Kinder in schwulen Familien überdurchschnittlich oft aus früheren heterosexuellen Beziehungen.

Zudem bilden staatliche Dokumente die Realität nicht verlässlich ab: Die Einträge „Mutter“ und „Vater“ in Geburtsregister und Geburtsurkunden werden trans* und inter* Personen weiterhin nicht gerecht. Die Übergangslösung im Selbstbestimmungsgesetz (§ 11 SBGG, in Kraft seit 1. November 2024) hat daran bislang wenig geändert.

Lebenslagen: Diskriminierung, Minderheitenstress, Verunsicherung

Trotz gestiegener Akzeptanz erleben Regenbogenfamilien weiterhin Diskriminierung, Ablehnung und teils Hassgewalt. Studien verweisen auf Folgen von Minderheitenstress, der psychische Belastungen verstärken kann. Viele Familien berichten zudem von einer wachsenden Sorge, dass sich das gesellschaftliche Klima verschlechtert und erreichte Reformen wieder infrage gestellt werden könnten.

Forderungen aus dem Familiendialog: Anerkennung, Gleichstellung und Ausbau der Beratungsinfrastruktur

Der Bericht benennt Forderungen aus dem Familiendialog, die wir ausdrücklich unterstützen. Im Zentrum steht die gesellschaftliche und rechtliche Anerkennung von Regenbogenfamilien als gleichwertig – einschließlich einer Reform des Abstammungsrechts.

Konkret braucht es:

Eine sichtbare sowie queersensible Beratungsinfrastruktur stellt dabei eine wichtige Unterstützung dar und begleitet Regenbogenfamilien in allen Lebenslagen. In der Praxis zeigen sich jedoch Lücken: Viele Beratungsangebote sind bislang nicht auf die besonderen Bedürfnisse von Regenbogenfamilien eingestellt, zudem gibt es ein Gefälle zwischen Stadt und Land. Nötig sind flächendeckende Angebote, zentrale Anlaufstellen zur Unterstützung von Familien und Behörden sowie eine landesweite Übersicht queersensibler Unterstützungsmöglichkeiten.

Der Familienbericht weist zudem darauf hin, dass das Familienrecht Mehreltern-Familien bislang nicht angemessen berücksichtigt. Auch hier ist eine Anpassung an gelebte Realitäten erforderlich.

Politische Reformen konsequent umsetzen

Der Familienbericht liefert eine wichtige Grundlage für politische Gestaltung. Aus Sicht der Landesfachstelle Regenbogenfamilien NRW ergeben sich daraus klare Handlungsbedarfe:

Als Landesfachstelle Regenbogenfamilien NRW unterstützen wir diese Ziele dauerhaft. Es braucht eine verlässliche, langfristige Förderung von Beratungs- und Gruppenangeboten für queere Familien sowie der Landesfachstelle Regenbogenfamilien NRW. Nur so können Regenbogenfamilien in NRW wirksam begleitet und Strukturen nachhaltig gestärkt werden.

Downloads:

Landesweiter Aktionstag zum International Family Equality Day (IFED)

Am 5. Mai sind Regenbogenfamilien aus ganz NRW herzlich zum Aktionstag nach Essen eingeladen. Der Grugapark öffnet anlässlich des International Family Equality Days (IFED) seine Pforten für queere Familien. Auf einer großen Wiese erwarten euch ein buntes Programm, politische Aktionen und viel Raum für Begegnung und Austausch.

Der Grugapark heißt Regenbogenfamilien willkommen

Zusammen mit der Gleichstellungsstelle der Stadt Essen, der AWO Essen, Regenbogenfamilien.in.Essen und dem Grugapark richtet die Fachstelle Regenbogenfamilien NRW einen Aktionstag für queere Familien aus. Auch queere Menschen oder Einzelpersonen mit Kinderwunsch sind willkommen.

Eine Anmeldung für den Aktionstag ist nicht erforderlich. Kommt einfach vorbei. Bringt gerne einen Beitrag zu unserem gemeinsamen Buffet und eure eigene Picknick-Decken.

Das erwartet euch

Viel Platz für Spiel, Austausch und Begegnung

Auf der Wiese wird es mehrere Pavillons geben mit Bücher- und Infotischen sowie einem Buffet. Für unser gemeinsames Buffet bringt gerne eine Kleinigkeit mit. Für Getränke sorgen wir.

Auch wird ein Zelt zur Verfügung stehen, in dem ihr bei Bedarf Raum für Rückzug, Ruhe, Stillen etc. habt.

Eine barrierefreie Toilette befindet sich in der Nähe der Wiese. Solltet ihr weitere Bedarfe haben, meldet euch bitte vorab bei Birgit Brockerhoff bei der Fachstelle Regenbogenfamilien NRW: brockerhoff@queeres-netzwerk.nrw.

Eintritt frei

Der Eintritt in den Grugapark ist für Regenbogenfamilien an diesem Tag kostenlos. Sagt an der Kasse am Eingang Mustergärten, ihr kommt zum Aktionstag für Regenbogenfamilien. Dort erhaltet ihr ein IFED-Bändchen. Auch an den anderen Eingängen wissen die Gruga-Mitarbeitenden Bescheid.

Wegbeschreibung

Ort: Grugapark Essen, Eingang Mustergärten
Külshammerweg 2, 45149 Essen

Der Aktionstag findet auf der Wiese neben dem Kiosk in ein paar hundert Meter vom Eingang  Mustergärten statt (siehe Bild).

Anreise mit öffentlichen Verkehsmitteln

Aus Richtung Essen Hauptbahnhof mit der U-Bahnlinie U17 Haltestelle Margarethenhöhe/Endstation. Der Parkeingang Mustergärten ist in fünf Minuten Fußweg zu erreichen.

Anreise mit dem PKW

Der Grugapark befindet sich direkt neben dem Messegelände an der A52 (Ausfahrt Rüttenscheid oder Margarethenhöhe). Messe und Grugapark sind im gesamten Stadtgebiet von Essen ausgeschildert.

Ein kleinerer Parkplatz befindet sich gegenüber des Eingangs Mustergärten. Von dort ist es nicht weit bis zur Wiese. Auf den Messe-Parkplätzen P1 und P2 (Messeplatz) in der Nähe des Grugapark-Haupteinganges ist der größte Umfang an Parkraum vorhanden. Von dort ist der Fußweg durch den Park bis zur Wiese weit.

Downloads

Flyer: Aktionstag zum International Family Equality Day (IFED)