Queerer Neujahrsempfang 2024

Am 2. Februar haben wir im Gerhart-Hauptmann-Haus zusammen mit NGVT* NRW und LSVD NRW den Queeren Neujahrsempfang 2024 veranstaltet: Die Teams unserer Fachstellen, queeren Vereine, queerer Mitgliedsgruppen und Initiativen in NRW sowie Politiker*innen hatten hier die Gelegenheit, sich auszutauschen und zu vernetzen.

Auch nicht fehlen durfte eine Begrüßungsrede, die Laura Becker (Vorstand Queeres Netzwerk) und Arnulf Sensenbrenner (LSVD NRW) hielten. Sie nutzten die Gelegenheit für einen dringlichen Appell an die anwesende Ministerin Josefine Paul vom Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen sowie an andere anwesende Politiker*innen zur Beseitigung derzeitiger Schieflagen und Missstände.

Sie blickten aber auch auf die großen Erfolge des vergangenen Jahres zurück: zum Beispiel die Fusion der LAG Lesben mit dem Queeren Netzwerk oder auf die Meilensteine der queeren Bildungs- und Aufklärungsarbeit unserer Fachstellen. So endete die Rede mit einem empowernden Aufruf:

„Lasst uns mit und als Menschen in den Dialog treten, lasst uns unsere Perspektiven erklären und auf Fragen antworten, lasst uns gemeinsam lernen, lasst uns zusammen neue Vereine gründen, ehrenamtlich aktiv werden, in demokratische Parteien und Gewerkschaften eintreten und damit demokratische Strukturen nachhaltig festigen: als queere Communities!“

Wir danken allen Teilnehmer*innen sowie allen Helfer*innen von ganzem Herzen dafür, ein unvergessliches Event beschert zu haben.

Gedenken an die queeren Opfer des Nationalsozialismus am Holocaust-Gedenktag 2024

Am Mahnmal „totgeschlagen – totgeschwiegen“ an der Hohenzollernbrücke in Köln versammelten sich am 27. Januar (Holocaust-Gedenktag) über 150 Menschen, um zum Gedenken an die queeren Opfer des Nationalsozialismus Blumen nieder- und eine gemeinsame Schweigeminute einzulegen.

Laura Becker (Vorstand Queeres Netzwerk) begrüßte die Teilnehmenden und betonte, dass dieses Gedenken nicht nur der Erinnerung der verfolgten und ermordeten Mitglieder queerer Communities diene, sondern auch ein Protest sei: Gegen den Rechtsruck in unserer Gesellschaft und zunehmende Queerfeindlichkeit.

„Auch heute weht durch Deutschland wieder der Geist des Faschismus.“ mahnte auch Sven Lehmann, Queer-Beauftragter der Bundesregierung und Kölner MdB, und folgerte, dass es umso wichtiger sei, dass Deutschland JETZT aufstehe. Er begrüßte die aktuellen deutschlandweiten Proteste, an denen bis dato schon über 1 Millionen Menschen teilgenommen haben: „Keinen Millimeter mehr nach rechts!“

Als Hauptredner*innen traten die evangelischen Pfarrer*innen Janneke Botta und Tim Lahr auf. Sie reflektierten u.a. die Schuld, die die Kirche zu Zeiten des Nationalsozialismus auf sich geladen habe. Und auch heute noch sei die Kirche kein sicherer Ort für alle … „Doch wir glauben daran, dass Gott es anders erdacht hat, als die Kirche es gemacht hat!“ So hofften sie darauf, dass sich die Welt an den Schmerz der Vergangenheit erinnere und „wir es besser machen werden in der Zukunft: Und die beginnt jetzt.“

Wir danken den Redner*innen für ihre sowohl bewegenden als auch mutmachenden Worte. Wir danken auch den Zauberflöten, die mit ihrer musikalischen Umrahmung für Gänsehaut gesorgt haben. Und natürlich danken wir allen Teilnehmenden: so viele wie dieses Mal waren wir noch nie – was für ein schönes und kraftvolles Signal unserer Communities!

Das Gedenken wurde gemeinsam durchgeführt mit dem LSVD NRW, Netzwerk Geschlechtliche Vielfalt Trans NRW e.V. und der ARCUS-Stiftung.

Ihr habt die Veranstaltung verpasst? Kein Problem: Die Aufzeichnung des Gedenkens findet ihr auf YouTube.

Wir freuen uns auch, dass der Kölner Stadt-Anzeiger und die Kölnische Rundschau vor Ort waren und berichtet haben. Die Artikel findet ihr hier:
Bericht Kölner Stadt-Anzeiger
Bericht Kölnische Rundschau

Statement zur bevorstehenden Reform des Abstammungsrechts

Die Fachstelle Regenbogenfamilien NRW begrüßt es, dass nun endlich die bevorstehende Reform des Abstammungsrechts in einem Eckpunktepapier des Bundesjustizministeriums konkretisiert worden ist.

Wir freuen uns über die Vorschläge, wie die gemeinsame Mutterschaft bei gleichgeschlechtlichen Paaren zukünftig geregelt werden soll. Für Kinder, die in Zweimütterfamilien hineingeboren werden, würde damit zukünftig die Stiefkindadoption wegfallen.

Ebenfalls positiv sehen wir die angedachten vorgeburtlichen Regelungen durch verbindliche Elternschaftsvereinbarungen. Auf diesem Weg könnten Mütter und samenspendende Personen bereits vor der Empfängnis notarielle Vereinbarungen über rechtliche Elternschaft, Sorge- und Umgangsrechte treffen können. In Mehrelternfamilien sollen zukünftig sorgerechtliche Befugnisse und Umgangsrechte vertraglich auf bis zu zwei zusätzliche Personen übertragen werden können. Auch private Samenspenden sollen zukünftig im Samenspenderregister registriert werden können.

Neben diesen positiven Reformvorschlägen enthält das Papier jedoch auch Punkte, die dringend nachgebessert werden müssen: Vor allem die Diskriminierung von trans*, inter* und nichtbinären Eltern wird durch das vorliegende Papier nicht thematisiert und behoben.

Kritisch sehen wir zudem, dass das Papier keine Rückwirkung der Regelungen vorsieht. Das würde bedeuten, laufende Verfahren der Stiefkindadoption würden von der Reform nicht profitieren.

Hoffnung macht der skizzierte zeitliche Rahmen der Reform: Ein Abschluss des Prozesses wird noch für dieses Jahr angestrebt. Das Queere Netzwerk NRW und die Fachstelle Regenbogenfamilien NRW werden den Reformprozess weiterhin kritisch begleiten und kommentieren.

Weiterführende Links:

Aktivistin Brigitte Maser verstorben

Erst kürzlich erreichte auch uns die Nachricht, dass Brigitte Maser (18.9.1955 - 10.11.2023), freie Journalistin und feministisch-lesbische Aktivistin, im letzten November nach längerer Krankheit verstorben ist.

Zwei ältere Männer posieren für ein Foto bei einer Veranstaltung.

Brigitte hat sich zeitlebens für die Sichtbarkeit von Lesben in den LSBTIQ* Communities eingesetzt. Lebenslang betonte sie das Miteinander und wirkte Spaltungen politischer Gruppen sowie Ausgrenzung innerhalb der Communities entgegen.

Unsere Communities haben mit Brigitte eine unermüdliche Wegbereiterin, wichtige politische Stimme, treue Begleiterin und gute Freundin verloren. Auch wir trauern um sie und drücken allen Angehörigen und Freund*innen unser Beileid aus.

Die vollständige Würdigung, die Irene Franken anlässlich des Todes von Brigitte Maser verfasst hat, findet ihr auf der Webseite des Kölner Frauengeschichtsvereins.