Jahresbericht MIQ NRW: Lagebild Queerfeindlichkeit NRW 2025

Die Melde- und Informationsstelle Queerfeindlichkeit (MIQ NRW) wirft mit ihrem ersten Jahresbericht für das Jahr 2025 einen ersten Lichtkegel auf das große Dunkelfeld im Bereich Queerfeindlichkeit in Nordrhein-Westfalen.

Seitdem MIQ NRW am 17. März 2025 gestartet ist, sind für das Kalenderjahr 2025 insgesamt 258 queerfeindliche Vorfällen in NRW gemeldet und ausgewertet worden. Hierzu zählen sowohl strafrechtlich relevante Vorfälle als auch Vorfälle unterhalb der Strafbarkeitsgrenze.

Die eingegangenen Meldungen decken ein weites Spektrum an Queerfeindlichkeit ab, das beispielsweise von Diebstahl oder Vandalismus bei queeren Symbolen über subtile Formen von Diskriminierung wie Mikroaggressionen bis hin zu Beleidigungen, Drohungen oder physischer Gewalt reicht. 196 (76 %) dieser Meldungen sind von Betroffenen getätigt worden, 42 (16 %) von Zeug*innen und 20 (8 %) von Organisationen. Zusätzlich gab es insgesamt 30 Angriffs- und Hassmeldungen auf MIQ NRW selbst.

Knapp zwei Drittel (64 %) der gemeldeten Vorfälle werden Belästigungen zugeordnet, zum Beispiel Anfeindungen, Beleidigungen, Erniedrigungen und/oder Mobbing. Darüber hinaus wurden auch Vorfälle über physische Gewalt wie Körperverletzung und Sachbeschädigung, aber auch subtile Formen von Diskriminierung und die Verwehrung von Rechten auf strukturellen und institutionellen Ebenen gemeldet: dazu zählen etwa Lächerlich machen, Ansprache mit dem falschen Pronomen oder mit dem Deadname sowie verwehrte Zugänge zum Wohnungsmarkt oder zu Toiletten. Mehr als ein Fünftel aller Vorfälle (56 Vorfälle, 22 %) beinhaltet Mehrfachdiskriminierung, also neben Queerfeindlichkeit auch Überschneidungen beispielsweise mit Rassismus, Sexismus oder Frauenfeindlichkeit. Die Lebensbereiche, in denen Queerfeindlichkeit am häufigsten registriert wurde, sind der öffentliche Raum (111 Vorfälle, 43 %), Bildungseinrichtungen (31 Vorfälle, 12 %), der Einzelhandel- oder Dienstleistungssektor (25 Vorfälle, 10 %) sowie digitale Räume (23 Vorfälle, 9 %). Teilweise haben Meldende auch mehrere Lebensbereiche angegeben, sodass sie sich in manchen Fällen überschneiden können.

Aus den getätigten Meldungen kristallisieren sich ähnliche Erkenntnisse heraus, wie sie bereits die 2025 veröffentlichte Lebenslagenstudie „Queer durch NRW“ des Landes Nordrhein-Westfalen feststellte: so sind etwa Menschen, die trans* und/oder nichtbinär (94 der 196 selbstbetroffenen Meldenden, 48 %) sind, überproportional von Diskriminierung und Übergriffen betroffen. Trans*- und Schwulenfeindlichkeit sind mit jeweils 35 % die häufigsten gemeldeten Formen von Queerfeindlichkeit. Zudem geht aus den Meldungen hervor, dass von Betroffenen und Zeug*innen nur ein Zehntel (11 %) die Vorfälle bei der Polizei melden und sogar nur knapp 4 % Beratungsstellen aufsuchen. MIQ NRW gelingt es also, Diskriminierung zu erfassen, die in Statistiken bisher keinen Eingang gefunden hat.

Die Auswirkungen von Queerfeindlichkeit sind gravierend. Knapp 39 % der Betroffenen berichten von Angst, Ohnmachts- und Minderwertigkeitsgefühlen und Hilflosigkeit. Auf Basis der ausgewerteten Meldungen hat MIQ NRW Handlungsempfehlungen für die Politik abgeleitet, mit welchen Mitteln Queerfeindlichkeit bekämpft und queere Communities sowohl besser geschützt als auch gestärkt werden können. Denn die gesellschaftliche Akzeptanz von queeren Menschen ist essenziell für eine funktionierende Demokratie.

„Die von MIQ NRW veröffentlichten Zahlen bestätigen, was queere Menschen seit Jahren wissen: Queerfeindlichkeit richtet massiven Schaden an. Der Bericht untermauert die Dringlichkeit von Präventions- und Schutzmaßnahmen für queere und insbesondere trans*, inter* und nichtbinäre Menschen. Die politische Zögerlichkeit bei der Bekämpfung von Queerfeindlichkeit ist nicht hinnehmbar.“ Vorstand Queeres Netzwerk NRW

Der vollständige Jahresbericht 2025 der Melde- und Informationsstelle Queerfeindlichkeit MIQ NRW steht ab jetzt in digitaler Form im Shop des Queeren Netzwerks NRW zum kostenfreien Download bereit.

Jahresbericht 2025

Unser Jahresbericht 2025 ist erschienen und ab sofort in unserem Online-Shop erhältlich – sowohl zur Bestellung (kostenfrei für Adressen in NRW) als auch zum kostenfreien Download.

Neben Zahlen, Fakten und einer Übersicht über die vielfältige Arbeit unserer Fachstellen und Projekte bietet der Bericht spannende Einblicke in die Arbeit des Queeren Netzwerks NRW. Dazu gehören unter anderem ein Interview über das Besondere Organ LiNa (Lesben in NRW aktiv), queerpolitische Forderungen sowie Rückblicke auf wichtige Veranstaltungen und Auszeichnungen. Ein besonderer Fokus liegt auf Ereignissen wie dem jährlichen Gedenken an die queeren Opfer der NS-Zeit am 27. Januar, dem CSD-Empfang, der Verleihung der Kompassnadel an den SC Janus sowie der Auszeichnung CouLe für Dr. Birgit Palzkill.

Wir wünschen eine anregende Lektüre!

Neue digitale Broschüre: Von Haltung zu Handlung - Leitfaden für ein queerinklusives Sportumfeld

Sexuelle und geschlechtliche Vielfalt gehören genauso zum Sport wie Fairness, Team­geist und Respekt. Doch noch immer stoßen queere Menschen im Vereinsalltag, auf Turnieren oder in der Organisation auf Unsichtbarkeit, Ausschlüsse oder Unsicherheit. Damit sich dies ändert, haben der Landessportbund NRW und das Queere Netzwerk NRW gemeinsam den digitalen Leitfaden „Von Haltung zu Handlung - Leitfaden für ein queerinklusives Sportumfeld“ veröffentlicht. Anhand vieler Praxisbeispiele zeigt dieser die Vorgehensweise im Verein und ermutigt zur Umsetzung.

Downloads:

Neue Broschüre: Trans* Inter* Nicht-binär und Schule

Ab sofort kann die überarbeitete Neuauflage der gefragtesten Broschüre von SCHLAU NRW „Trans* Inter* Nicht-binär und Schule“ im Online-Shop des Queeren Netzwerks gegen eine geringe Schutzgebühr bestellt oder kostenlos heruntergeladen werden.

In der überarbeiteten pädagogischen Handreichung zur Begleitung von Jugendlichen beim Thema geschlechtliche Vielfalt im Kontext Schule wird nun neben trans* auch auf die Begleitung von inter*- und nicht-binären Jugendlichen eingegangen. Außerdem berücksichtigt die Neuauflage Veränderungen, die etwa durch das Selbstbestimmungsgesetz (SBGG) entstanden sind. Die Broschüre enthält darüber hinaus neue Erfahrungsberichte: Eltern von trans*-Kindern erzählen, wie deren trans* Identität im Kontext Schule aufgenommen wurde. Auch Lehrkräfte kommen zu Wort und berichten, was sie selbst tun, damit trans*, inter* und nicht-binäre Jugendliche sich unterstützt fühlen.