„Dem Hass keinen weiteren Millimeter!“ Stellungnahme zum islamistischen Terrorangriff auf den CSD Berlin

Wir sind voller Trauer. Eine Person hat auf brutalste Weise ihr Leben verloren. 29 Menschen wurden verletzt, teils schwer. Ihnen, ihren Angehörigen und allen Zeug*innen dieses schrecklichen islamistischen Terrorangriffs gilt unser tiefstes Mitgefühl und unsere umfassende Solidarität.

Wir sind schockiert und aufgewühlt. Dieser Angriff gilt queeren Communitys als Ganzes. Er gilt uns als Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans*, Inter* und Nichtbinären und er hätte uns alle treffen können. Er hätte an jedem Ort und auf jedem CSD passieren können. Die Folgen sind:  Angst, Ohnmacht und Unverständnis einerseits, Wut, Entschlossenheit und Zusammenhalt andererseits. „Wir haben Angst vor einer Zunahme der Gewalt. Aber wir kämpfen weiter und bleiben sichtbar!“, so Patrick Orth (Vorstand Queeres Netzwerk NRW).

Wenn friedlich demonstrierende Menschen auf einem CSD angegriffen und getötet werden, ist das nicht nur ein Anschlag auf queere Communitys, sondern auch ein Angriff auf die Demokratie. Der islamistische Anschlag zerstört und bedroht die Würde des Menschen, die körperliche Unversehrtheit, die Versammlungs- und Meinungsfreiheit – und verneint ganz bewusst die Gleichwertigkeit queerer Menschen.

Der Kampf gegen Extremismus – gegen Islamismus, Rechtsextremismus und jede andere menschenfeindliche Ideologie, die Menschen ausgrenzt, entrechtet, entwürdigt, verfolgt und zu Feind*innen macht – ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Dieser Kampf gehört jeden Tag auf die politische Agenda und nicht nur dann, wenn Menschen verletzt und getötet werden. Patrick Orth appelliert: „Queere Communities brauchen keine Lippenbekenntnisse, sondern jetzt und sofort mehr Schutz vor jeglichem Extremismus. Es geht um Leben und Tod.“

Überall in NRW und Deutschland finden derzeit CSDs statt – und zwar weil es sie braucht. Sie machen sichtbar, dass Diskriminierung und Queerfeindlichkeit fortbestehen. Wenn aus Angst vor Anschlägen weniger oder nicht demonstriert wird, nimmt unsere Freiheit Schaden. Allen CSD-Organisator*innen gilt unser allergrößter Dank für ihr unermüdliches und unerschrockenes Engagement – es ist so wichtig wie schon lange nicht mehr! Von der Politik erwarten wir, dass die CSDs in NRW gestärkt werden – durch politische Präsenz, umfassende Sicherheitsmaßnahmen und eine Erhöhung der CSD-Förderung. Es kann nicht sein, dass CSDs nicht stattfinden können, weil Geld für Sicherheitsmaßnahmen fehlt.

Rechtsextreme Akteur*innen nutzen den Anschlag schon wenige Stunden später, um Stimmung gegen muslimische Menschen zu machen. Das ist widerwärtig. Der Angriff auf den CSD in Berlin richtete sich auch gegen queere Muslim*innen. Die Gleichstellung von Islam und Islamismus ist falsch. Uns erreichen viele Solidaritätsbekundungen muslimischer Vereine, die sich klar gegen jede Form queerfeindlicher Gewalt stellen.

Wir erwarten von Menschen, Politik und Unternehmen Solidarität und Unterstützung. Queere Menschen sind selbstverständlicher Teil unserer Gesellschaft – zeigen Sie das und stehen Sie dafür ein! Unterstützen Sie gerade jetzt ihren lokalen CSD durch Anwesenheit und Sponsoring. Widersprechen Sie queerfeindlichen Aussagen im öffentlichen Raum und im Netz entschlossen! Tun Sie das heute und tun Sie es in Zukunft.

Allerdings beobachten wir mit Befremden, wie öffentliche Förderprogramme im Bund gestrichen oder die Förderung für das queere Jugendnetzwerk lambda gekündigt wird. Das ist falsch. Richten Sie stattdessen gerade jetzt Förderprogramme für queere Communitys ein, stärken Sie kommunale Angebote und Beratungsstellen, bauen Sie die Meldestellen aus, erhöhen Sie die Anzeigenbereitschaft, schaffen Sie Sensibilisierungsmöglichkeiten für Polizei, Lehrkräfte und generell alle Fachkräfte. Queerpolitik muss jetzt und dauerhaft entschlossen gestärkt werden.

Wir als Queeres Netzwerk NRW werden auch zukünftig mit ganzer Kraft daran arbeiten, dass Hass, Hetze und Menschenfeindlichkeit nicht gewinnen. Angst und Gewalt dürfen niemals darüber entscheiden, wer sichtbar, frei und unversehrt leben darf – und wer nicht. Lassen Sie uns zusammenstehen und diese Arbeit gemeinsam voranbringen. Dem Hass keinen weiteren Millimeter!

CSD-Empfang 2026: Protest und Zusammenhalt für Vielfalt, Freiheit und Demokratie

Köln, 4. Juli 2026 – Mit einem eindringlichen Appell an Politik und Gesellschaft haben das Queere Netzwerk NRW und die Aidshilfe NRW beim 27. gemeinsamen CSD-Empfang in Köln für den Schutz von Demokratie, Menschenrechten und queerer Vielfalt geworben. Vor rund 900 Gästen aus Politik, Zivilgesellschaft, Medien und den Communitys machten beide Landesverbände deutlich: Die zunehmende Queerfeindlichkeit, rechtsextreme Bedrohungen und die Kürzungen demokratiestärkender Projekte gefährden den gesellschaftlichen Zusammenhalt und erfordern entschlossenes politisches Handeln.

In ihrer gemeinsamen Rede würdigten Laura Becker, Vorstandssprecherin des Queeren Netzwerks NRW, und Arne Kayser, Landesvorsitzender der Aidshilfe NRW, die CSD-Bewegung als eine der wichtigsten demokratischen Protestbewegungen Deutschlands. „Die Sichtbarkeit, die Rechte und die gesellschaftliche Teilhabe queerer Menschen mussten hart erkämpft werden. Die CSDs stehen seit Jahrzehnten für Mut, Solidarität und den Einsatz für Freiheit und Gleichberechtigung. Gerade heute sind sie wichtiger denn je!“

Mit Sorge verwiesen beide Verbände auf den erneuten Anstieg queerfeindlicher Straftaten sowie auf die zunehmenden Einschüchterungsversuche gegen CSDs und queere Einrichtungen. „Hass ist keine Meinung, sondern eine reale Bedrohung für Menschen und unsere Demokratie. Wer queere Menschen angreift, greift die offene Gesellschaft insgesamt an“, so Becker. Gleichzeitig rief sie dazu auf, bestehende Schutzlücken zu schließen, queere Infrastruktur nachhaltig zu stärken und die Gleichstellung queerer Menschen konsequent weiter voranzubringen.

Arne Kayser hob insbesondere den Einsatz zahlreicher Ehrenamtlicher und Organisator*innen hervor, die vielerorts unter schwierigen Bedingungen CSDs veranstalten und sich rechtsextremen Anfeindungen entgegenstellen. „Sie verteidigen mit großem Mut demokratische Werte vor Ort. Ihnen gilt unsere uneingeschränkte Solidarität. Wer Vielfalt verteidigt, darf dabei nicht allein gelassen werden“, appellierte Kayser. Zugleich kritisierte er die geplanten Kürzungen zahlreicher Demokratie- und Präventionsprojekte: „Demokratieförderung ist keine freiwillige Leistung. Sie ist eine Investition in den gesellschaftlichen Zusammenhalt.“

Mit Blick auf die zahlreichen CSDs in Nordrhein-Westfalen und bundesweit unterstrichen Becker und Kayser die Bedeutung der Bewegung: „CSDs sind weit mehr als bunte Feste. Sie sind sichtbarer Protest, gelebte Demokratie und Ausdruck einer Gesellschaft, in der alle Menschen frei und ohne Angst leben können. Diese Errungenschaften werden wir gemeinsam verteidigen.“

Im Mittelpunkt des diesjährigen Empfangs stand die Verleihung der Kompassnadel 2026 an die CSD-Bewegung in Deutschland. Mit der Auszeichnung würdigt das Queere Netzwerk NRW die entscheidende Rolle der Christopher Street Days für die gesellschaftliche Sichtbarkeit, die rechtliche Gleichstellung und den Schutz queerer Menschen. Stellvertretend für die bundesweite Bewegung nahmen die CSD-Vernetzer*innen aus NRW Sabrina Reznizek, Toni Nezi und Pacco Menzel die Auszeichnung entgegen.

Die Laudatio hielt Entertainer, Moderator und Regisseur Thomas Hermanns, der die CSD-Bewegung als unverzichtbaren Bestandteil demokratischer Protestkultur würdigte. Knallblech – Brassband meets DJ sorgte musikalisch für Feierlaune und Oliver Schubert führte als Moderator mit Esprit durch das vielfältige Programm.

 

Jahresbericht 2025

Unser Jahresbericht 2025 ist erschienen und ab sofort in unserem Online-Shop erhältlich – sowohl zur Bestellung (kostenfrei für Adressen in NRW) als auch zum kostenfreien Download.

Neben Zahlen, Fakten und einer Übersicht über die vielfältige Arbeit unserer Fachstellen und Projekte bietet der Bericht spannende Einblicke in die Arbeit des Queeren Netzwerks NRW. Dazu gehören unter anderem ein Interview über das Besondere Organ LiNa (Lesben in NRW aktiv), queerpolitische Forderungen sowie Rückblicke auf wichtige Veranstaltungen und Auszeichnungen. Ein besonderer Fokus liegt auf Ereignissen wie dem jährlichen Gedenken an die queeren Opfer der NS-Zeit am 27. Januar, dem CSD-Empfang, der Verleihung der Kompassnadel an den SC Janus sowie der Auszeichnung CouLe für Dr. Birgit Palzkill.

Wir wünschen eine anregende Lektüre!

Neujahrsgrüße 2024

Wir sind sichtbar, wir sind laut und wir sind erfolgreich: 2023 in so vielen Projekten, Aktionen und Themen, wie nie zuvor. Vieles davon haben wir gemeinsam mit mühsamer Hartnäckigkeit erkämpft. Außerdem war 2023 das Jahr der Fusion mit der LAG Lesben in NRW – sie markiert einen Meilenstein in der Stärkung unseres Vereines und der Vielfalt!

Diskriminierungen gegen queere Menschen sind allerdings noch immer trauriger Bestandteil unseres Alltags. So ist beispielsweise das „Transsexuellengesetz“ weiterhin in Kraft. Bis es endlich vom Selbstbestimmungsgesetz abgelöst wird, ist mit weiterem Gegenwind und harten Diskussionen zu rechnen. Und auch im Netz nimmt der Hass neue, immer radikalere Formen an.

Auf die Errungenschaften und Fortschritte in Sachen Gleichberechtigung darf unsere Community stolz sein. Darauf ausruhen sollten wir uns jedoch nicht. Das aktuelle gesellschaftliche Stimmungsbild verdeutlicht nämlich: sie sind alles andere als selbstverständlich.  

Mit eurem Engagement und eurer tatkräftigen Unterstützung gegen Queerfeindlichkeit, mit der Schaffung von safer spaces für unsere Communities und mit vielen Sensibilisierungs- und Bildungsangeboten starten wir das neue Jahr mit Elan und viel Optimismus!

Neben viel Kraft für die kommenden Herausforderungen wünschen wir euch von ganzem Herzen einen guten und gesunden Start ins neue Jahr 2024!

Ihr möchtet das Netzwerk stärken und zur Sichtbarkeit, Vernetzung und Stärkung von LSBTIAQ* Communities beitragen? Wir freuen uns über eure Spenden.