Selbstverständlich!

Am 05. Juli verleiht das Schwule Netzwerk NRW die Kompassnadel an Dr. Volker Jung, Kirchenpräsidenten der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Ein Kommentar dazu von Dr. Beate Blatz.

Cross silhouette and the holy blue skyAls die Evangelische Kirche in Deutschland vor einem Jahr die Orientierungshilfe „Zwischen Autonomie und Angewiesenheit – Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken“ veröffentlichte, habe ich mich erst einmal darüber gefreut, dass in einer offiziellen Verlautbarung der EKD gleichgeschlechtliche Lebensweisen als eine von vielen möglichen und gesellschaftlich bereits längst praktizierten Lebensgemeinschaften anerkannt werden. Das ist ein großer Schritt und ich erinnere mich an ganz andere, sehr dunkle Zeiten, als ich in den achtziger und neunziger Jahren im kirchlichen Dienst in Norddeutschland arbeitete. Damals wurden Klaus Brinker und Hans-Jürgen Meyer in Hannover ihrer Ämter als Pastoren enthoben, weil sie offen zu ihrem Schwulsein standen. Dass die Gemeinden, in denen die beiden arbeiteten, eher an der Qualität der Arbeit und nicht an der Lebensweise interessiert waren, interessierte die Amtskirche damals wenig.

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20 Jahre in Freiheit gelebt?!

Ein Kommentar von Simon Jekosch.

Gericht2Am 11. Juni 1994 wurde der § 175 StGB aus dem deutschen Strafrecht endgültig gestrichen. Seit der Einführung des Paragraphen im Jahre 1872, sind allerdings mehr als 140.000 Männer verurteilt worden. Warum? Weil sie Männer begehrten, sie liebten und ihre Gefühle auch in einem sexuellen Akt zum Ausdruck bringen wollten. In der Zeit von 1946 bis 1994 gab es fast 65.000 Urteile. Einige von diesen sind als verurteilte Verbrecher verstorben, andere leben noch heute mit dieser unwürdigen und unmoralischen Last. Eine unglaubliche Vorstellung für uns, die den Paragraphen nicht erlebt haben. Heute ist das in Deutschland undenkbar. Oder? Wie ist denn in Deutschland die Lage für schwule Männer heute, 20 Jahre später?

Ich erlebe häufig, dass Menschen, die sich wenig bis gar nicht mit Geschichte und unserer Rechtsprechung beschäftigen, nicht wissen, dass sexuelle Handlungen zwischen Männern gesetzlich verboten waren. Wenn ich ihnen davon erzähle, bemerke ich wie überrascht und schockiert sie reagieren. Diese Menschen haben den Paragraphen nicht erlebt, sie gehören zu einer jungen Generation. (mehr …)

Eine Stelle für die Jugend

JanGentsch2014_1Am 22.04. nahm Jan Gentsch seine Tätigkeit in der Landesfachstelle für lesbische, schwule, bi und trans* Jugendarbeit in NRW auf. Das Projekt befindet sich in Trägerschaft des Schwulen Netzwerkes NRW und wird in enger Kooperation mit der LAG Lesben in NRW umgesetzt.

Jan Gentsch studierte Erziehungswissenschaften an der Universität Bielefeld. Vor seinem Start im Schwulen Netzwerk arbeitete der gebürtige Bielefelder zuerst mehrere Jahre als pädagogischer Mitarbeiter in der Stricherarbeit und der Prävention pädokrimineller Gewalt an Jungen beim Kölner Verein Looks. Er wechselte anschließend zur Aids-Hilfe Bonn in den Bereich Herzenslust, einem zielgruppenspezifischen Präventionsangebot für schwule Männer. Zu dieser Zeit baute Jan den lesbisch, schwulen, bi und trans* Jugendtreff GAP in Bonn in einem Beteiligungsverfahren mit Bonner Jugendlichen auf und leitete ihn bis zum seinem Wechsel auf die Landesebene. Jan stellt seine zukünftigen Arbeitsschwerpunkte im Interview vor. 

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Schriftenreihe "Alltagswelten - Expert_innenwelten" Band 17: "Hirschfeld-Tage 2014"

Die Hirschfeld-Tage haben begonnen ...

Hirschfeld-Tage_in_NRW_Datum_URL_Weiss_auf_LilaSie waren lange angekündigt, nun gehen sie endlich los: Die zweiten Hirschfeld-Tage finden 2014 in Nordrhein-Westfalen statt. Fast 100 Veranstaltungen in 16 Städten spannen einen Bogen von historischen zu aktuellen Themen rund um schwul/lesbisches Leben. Das Schwule Netzwerk NRW hat als Projektbüro die Koordination übernommen. Unser Geschäftsführer Markus Johannes ist Mitglied im Kuratorium der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld und holte die Veranstaltungsreihe nach NRW. Er wagt nun einen ersten Rückblick und Ausblick … 

Als Jörg Litwinschuh, der geschäftsführende Vorstand der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, 2011 die Idee der Hirschfeld-Tage in einer Kuratoriumssitzung vorstellte, wurde ich sofort hellhörig. Eine Veranstaltungsreihe mit lokalen Partner_innen, die alle zwei Jahre an einem anderen Ort ausgerichtet werden soll? So etwas ist nach meinem Geschmack. Und nach Berlin-Brandenburg 2012 lag es nahe, in den Westen zu gehen. In ein Bundesland, das gute Strukturen aufweist, um so ein Projekt auch stemmen zu können. Denn Hirschfeld-Tage zu organisieren, bedeutet, viele Menschen zu vernetzen, Sichtbarkeit zu erzeugen, Themen zu platzieren und damit auf Gesellschaft und Politik einzuwirken - Aufgaben, für die das Schwule Netzwerk und auch ich da sind.   

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Corrie Peters ist gestorben

Corrie1Mit 49 Jahren verstarb am Donnerstag, 06. Februar 2014 plötzlich und unerwartet Corrie Peters an den Folgen einer Gehirnblutung. Fast 10 Jahre war Corrie im Schwulen Netzwerk NRW im Rahmen der LAG queerhandicap ehrenamtlich tätig. Er hat herausragende Pionierarbeit für Lesben, Schwule, Bi's und Trans* mit Behinderung geleistet. Durch Corries Tod verlieren wir einen einzigartigen und liebenswerten Wegbegleiter.

Corrie Peters war von Geburt an spastisch gelähmt. Als homosexueller Mann kannte er daher die Erfahrungen von Mehrfachdiskriminierung gut. Er setzte sich deshalb seit vielen Jahren ehrenamtlich gegen Ausgrenzung und Stigmatisierung ein. Corrie leistete dabei wichtige Vereins- und Vernetzungsarbeit, initiiert Projekte und Fachtage, zeigte Präsenz u.a. auf Messen und Kirchentagen und half Menschen innerhalb und außerhalb der jeweiligen Communities, Verständnis für Sexualität und Behinderung zu entwickeln - vor allem in Hinblick auf Schwule, Lesben, Bi-, Trans- und Intersexuelle. Mit dieser herausragenden Arbeit zeigte er uns, was selbstorganisierte, aktive und erfolgreiche Inklusion bedeuten kann.

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Die Rede von Steffen Schwab zum Neujahrsempfang am 24. Januar 2014

Schwules Netzwerk 1 2014 Foto: FRESH-Magazin - Dietrich Dettmann[/caption]

Guten Abend, liebe Gäste,

zum Neujahrsempfang des Schwulen Netzwerks heißen wir Sie, Euch noch einmal herzlich willkommen.

Es tut sich viel: Wir sind umgezogen - mit unserer Geschäftsstelle aus dem dritten Stock beinahe in die Beletage, dann aber doch noch etwas tiefer ins Erdgeschoss am wunderschönen Innenhof der Lindenstraße 20. Schaut bei Gelegenheit mal vorbei. Wir brauchten mehr Platz, und unsere Freunde von der AH NRW auch, und wir sind froh, dass wir eine Lösung gefunden haben, die es uns immer noch erlaubt, Adresse, Infrastruktur und kollegiales Wissen zu teilen.

Wir sind umgezogen - mit unserem Neujahrsempfang, danken dem DGB ganz herzlich, dass er uns diesen Raum überlässt und sind gespannt, ob euch der ganz nah ans Wochenende gerückte neue Termin gefällt.

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Die Kompassnadel 2014 geht an Dr. Volker Jung und an Wulf Thomas

Volker JungSeit 1993 lädt das Schwule Netzwerk NRW jährlich zum CSD-Empfang anlässlich der ColognePride ein - seit 2000 gemeinsam mit der AIDS-Hilfe NRW. Im Rahmen des Empfangs verleiht das Schwule Netzwerk NRW zum 14. Mal die KOMPASSNADEL an Persönlichkeiten, die sich um die Förderung der gesellschaftlichen Akzeptanz von Schwulen besonders verdient gemacht haben. Am 24. Januar 2014 hat Vorstandsvorsitzender Steffen Schwab beim Neujahrsempfang des Netzwerks Dr. Volker Jung und Wulf Thomas als die diesjährigen Preisträger bekannt gegeben.

Als Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau hat Dr. Volker Jung aus einer herausragenden Position als leitender Geistlicher heraus an dem Familienpapier der Evangelischen Kirche in Deutschland mitgewirkt. Dieses definiert den Stellenwert von Lesben, Schwulen, gleichgeschlechtlichen Partnerschaften und Regenbogenfamilien auf nachhaltige Weise theologisch neu. „Volker Jung setzt sich dafür ein, dass ein vielfältiges Familienbild, trotz aller Kritik aus den eigenen Reihen, Einzug in das Selbstverständnis der Evangelischen Kirche in Deutschland hält“, so Steffen Schwab. Dies sei ein Zeichen, das überkonfessionell eine hohe positive Symbolkraft ausstrahlt.

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Reinhard Klenke im Interview

Reinhard1 swMit Reinhard Klenke verlässt ein Mitstreiter das Schwule Netzwerk NRW, der die Verbandsarbeit als ganz persönliche politische Aufgabe versteht. Am 24. Januar 2014 ernennt ihn das Netzwerk beim seinem Neujahrsempfang zum ersten Ehrenmitglied des Verbandes. Es würdigt Reinhard damit für seine herausragenden Verdienste. Im Interview erzählt er von den wichtigsten Stationen auf seinem Weg. 

Reinhard, wie hast Du zur Politik gefunden?
In meiner Heimatstadt habe ich in der Kolpingjugend jemanden kennengelernt, der sehr stark zu meiner Politisierung beigetragen hat. Als wir gemerkt haben, wie reaktionär Kirche ist, ist quasi die gesamte Jugendgruppe zu den Jusos übergetreten und wir haben Wahlkampf für die SPD gemacht. Das war 1972 für Willy Brandt. Das hat mich politisch sehr geprägt.

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Der 27. Januar - Nur so ein weiterer Gedenktag?

Kranz2Seit einigen Jahren laden die lesbisch/schwulen Landesverbände und die ARCUS-Stiftung zum Gedenken für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus anlässlich des Gedenktags der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz ein. Ein Grüppchen von Lesben, Schwulen und verdächtig wenig weiteren Interessierten bibbert jeweils am 27. Januar unter der Hohenzollernbrücke in Köln am Mahnmal “totgeschlagen – totgeschwiegen”. Es gibt ein paar Ansprachen, ein Kranz wird niedergelegt und die Zauberflöten singen. Nach kurzen Plaudereien verschwinden die Anwesenden wieder in ihren Alltag. The same procedure as every year? Könnte man meinen, aber so ist es bei Weitem nicht!

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