
Im Jahr 2023 fusionierten die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Lesben NRW e.V. und das Queere Netzwerk NRW e.V. zu einem starken Landesverband. Unter dem neuen gemeinsamen Dach sind neue Dynamiken und Kooperationsmöglichkeiten entstanden, um die Interessen der LSBTIAQ* Communitys in Nordrhein-Westfalen noch effektiver zu vertreten.
Im Zuge dieser Fusion entsteht nun das Besondere Organ LiNa (Lesben in NRW aktiv). Es soll die spezifischen Anliegen und Perspektiven von Lesben in den Fokus rücken, indem es eine Plattform für Vernetzung, Austausch und politische Arbeit bietet. Ziel ist es, die Sichtbarkeit lesbischer Lebensrealitäten in der Gesellschaft zu fördern und die Bedarfe von Lesben und lesbischen Gruppen innerhalb des Queeren Netzwerks NRW und darüber hinaus zu vertreten.
LiNa wird mit Rede- und Antragsrecht in der Mitgliederversammlung des Queeren Netzwerks NRW vertreten sein. Dies unterstreicht seine zentrale Rolle, um die Vielfalt und die besonderen Herausforderungen der lesbischen Community sichtbar zu machen und in die gesellschaftspolitische Arbeit einfließen zu lassen.

LiNa lädt alle interessierten Lesben ein, sich aktiv einzubringen: Gemeinsam können wir an neuen Projekten arbeiten, bestehende Herausforderungen meistern und die Lebensrealitäten von Lesben in NRW nachhaltig verbessern. Ob als Expert*in, Unterstützer*in oder Mitgestalter*in – jede Stimme und jede helfende Hand zählen! Melde dich und werde Teil von LiNa.
Kontakt: lina@queeres-netzwerk.nrw
Kurz vor Jahresende 1995 nimmt die „Landesarbeitsgemeinschaft Lesben in NRW“, wie wir sie heute kennen, erstmals Form an. Doch natürlich ist der Impuls, mit dem ersten „NRW Lesbentreffen“ im Dezember 1995 einen Startpunkt für die Verbandsgründung zu setzen, nicht vom Himmel gefallen. Der Wunsch und die schon damals lebendige Praxis ist ohne Zweifel schon älter: sich im Austausch und in der Zusammenarbeit von Initiativen und organisierten und informellen Gruppen von und für Lesben gemeinsam für lesbenpolitische Anliegen stark zu machen und sichtbar zu sein. Wegweisend war hier ganz sicher das bundesweite „LesbenFrühlingstreffen“. Seit 1974 gehörte es im Frühjahr als „Lesben-Pfingsttreffen“ zum Terminkalender lesbischer Selbstorganisierung, seit 1992 (mit dem Treffen in Bremen unter dem Motto „Konsequent un-einig – laute(r) Lesben“) – unter seinem ‚weltlicheren‘ Namen: LesbenFrühlingstreffen. Auch Gruppen und Aktive aus NRW waren dabei.
Aus Aachen, aus dem Frauenkultur e.V., kommt die Einladung, prompt und politisch, mit Bezug auf bundesweite Zusammenhänge:
„Liebe Frauen,
das überregionale LesbenFrühlingstreffen ist ein Forum, auf dem viele Themen andiskutiert werden; aber es ist schwierig, bis gar unmöglich, inhaltliche Zusammenarbeit und Informationsaustausch bundesweit weiterzuführen“. Darum sei es Zeit, heißt es, zu einem „NRW-Lesbentreffen“ einzuladen. Das Ziel: „Informationsaustausch“ zu Gruppen, Initiativen und ihren Aktivitäten, „Vernetzung“ mit „Informationspool“ und Kommunikationsstrukturen und schließlich: mit dem Wunsch, die „inhaltliche Zusammenarbeit durch eine Vernetzung [zu] ermöglichen.“
Im Dezember 1995 soll es losgehen. Der Vorschlag zur Tagesordnung ist zu diesem Zeitpunkt aber noch vage. Heißt es in der Einladung vom 14.10.1995 zum letzten Tagesordnungspunkt „Abschlussplenum“: „Gibt es ein Folgetreffen?“ Die Frage, ob und wie es weitergehen könne, liegt also schon in der Luft. Das Folge-Treffen wird für Dezember 1995 geplant – mit Treffpunkt in Aachen.
(NL LAG 01-88)

„115 Initiativen (davon 9 an Unis bzw. Gesamthochschulen)“ sind eingeladen, 17 haben allerdings die Einladungspost nicht erhalten, wie später festgehalten wird. Im Dezember 1995 sind es dann aber doch 22 Initiativen und Lesben-(politische) Interessengruppen, die zum ersten „NRW Lesbentreffen“ zusammenkommen.
Sofort krempeln die Teilnehmenden die Ärmel hoch, diskutieren im Plenum und gründen Arbeitsgruppen zu den Bereichen „Kultur“, „Beratung & Coming Out“ oder „Öffentlichkeitsarbeit“. Es werden erste Forderungen formuliert und Konzepte und Strategie-Ideen festgehalten: zur Sichtbarkeit von Lesben in NRW, zur Organisierung lesbischer Interessenvertretungen und zu den Möglichkeiten, Förderstrukturen aus öffentlicher Hand für Organisierungsprozesse nutzen zu können.
(NL LAG 01-87)

Nur wenige Wochen nach dem ersten Treffen von Mitte Dezember 1995 kommen die Teilnehmenden des zweiten „NRW-Lesbentreffens“ zusammen. Es entsteht die „Resolution“: „Einrichtung eines Lesbenreferats in Nordrhein-Westfalen“ – einstimmig verabschiedet am 28.01.1996.
(NL LAG 01-85)
Im Mai 1996 findet das dritte NRW-Lesbentreffen statt. Thema ist: lesbenpolitische Anliegen und lesbische Sichtbarkeit sollen nicht länger ohne finanzielle Ressourcen auskommen müssen. In der Entwicklung der Verbands- und frühen Organisierungsschritte wird schnell klar, dass mit einer möglichen Förderung auch Herausforderungen entstehen. Im Protokoll zum 3. Lesbentreffen in NRW heißt es: „Es muß ein Ende damit haben, ohne Geld, Akzeptanz und offizielle Vertretung zu arbeiten.“ Weiter lesen wir: „Politische Arbeit heißt u.a. eigene Geldmittel zu beschaffen und damit arbeiten, [aber:] es darf zwischen uns nicht zu einem Kampf um die Geldverteilung kommen.“
(NL-LAG 01-81)
Gründungstreffen der LAG. Sie soll, so das Protokoll, zunächst heißen: „LAG LESBEN FÜR GRUPPEN, INITIATIVEN, VEREINE, PROJEKTE VON UND FÜR LESBEN“. Als Beschluss ist dann festgehalten: „Die LAG trägt den Namen ‚Landesarbeitsgemeinschaft Lesben in Nordrhein-Westfalen‘. Unterzeichnende der Gründungsbeschlüsse sind: FLiP e.V. – Frauenliebe im Pott e.V. Essen, Lesbentelefon Bottrop, frauenberatungsstelle Düsseldorf e.V. / Lesbenberatung, Lesben im KCR e.V., Sappho Lesben Gruppe Aachen, Lesbenforum im Lesben- und Schwulenzentrum Düsseldorf e.V. (LuSZD), Frauen helfen Frauen e.V. Beratungsstelle für Frauen und Mädchen – Schwerpunkt Lesben und Lesbenpaarberatung Minden, Frauenkultur e.V. Aachen (NL-LAG 01-74).
Das Frauenkulturzentrum aus Bielefeld schließt sich der Initiative als „Gründungsmitlesben“ an.
(NL-LAG 01-76)

Der „Arbeitskreis für eine zu erstellende Geschäftsordnung für die LAG Lesben in NRW“ macht sich mit ersten Diskussionsentwürfen im Gepäck an die Arbeit: Er entwickelt und formuliert eine erste Geschäftsordnung für die LAG Lesben in NRW. (NL LAG 01-100)
Die Landespolitik schafft im Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS) NRW die Stelle der „Lesbenreferentin“, wie es bei einer der ersten Veranstaltungen mit ihr heißt. Sie gehört zum „Referat für gleichgeschlechtliche Lebensweisen“, so der Name damals. Im November 1996 stellt sich Daniela Grobe in der Fachveranstaltung „Auf dem Weg zu neuen Ufern?! Lesbenpolitik in NRW“ in ihrer neuen Aufgabe der Öffentlichkeit vor – auf Einladung der Landtagsfraktion von Bündnis 90 / Die Grünen. (NL LAG 01-161 – Flyer/Abbildung: Person mit Kleid und langen Schritten)


Die „Rosa Zone“ berichtet: „Endlich: 2 ‚Homobeamte‘ für NRW. Die ‚Referenten für gleichgeschlechtliche Lebensformen‘ im Sozialministerium stehen fest: Daniela Grobe und Pascal Belling“ (NL LAG 01-101)


Über das Jahr 1997 hinweg ist die noch junge LAG Lesben NRW Ansprechpartnerin in der Entwicklung einer ersten „Akzeptanzkampagne“. Sie macht lesbische Anliegen außerdem in den Konzepten für ein Antidiskriminierungsgesetz sichtbar. (NL LAG 01)
Das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales hat eine Umfrage zu einer geplanten Plakatkampagne gestartet. Die Befragten wurden u.a. zu ihrer Meinung zum Aktionsmotto befragt: „ca. 60 % stimmten der Feststellung „
Andersrum ist nicht verkehrt
“ zu, wobei allerdings der Nachsatz „
… und das ist auch gut so
“ als problematisch bewertet wurde.“ Über die Hälfte der Befragten war bereit „die Kampagne zu befürworten und sich innerlich dahinter zustellen.“ Für das MAGS NRW fasste Daniela Grobe zusammen: „Dies sind aus meiner Sicht optimale Voraussetzungen für die Realisierung der Kampagne“
(NL LAG 01-141)
Die „LAG Lesben“ ist bei der zweiten Workshop-Tagung auf Einladung des MAGS NRW dabei – ebenso wie etliche Mitgliedsorganisationen individuell (NL LAG 01-143).
Am 01.08.1998 beginnt Gabriele Bischoff mit ihrer Arbeit für die LAG Lesben in NRW. Sie ist bis 2019 Geschäftsführerin.
Seit 1999 hat die LAG Lesben in NRW einen Raum für ihre Arbeit. In Düsseldorf Flingern bezieht die Landesarbeitsgemeinschaft einen Büroraum im geschichtsträchtigen Gebäudeensemble in der Ackerstraße 144. Damit ist die LAG Lesben in NRW unter einem Dach mit der frauenberatungsstelle Düsseldorf e.V., den Mitgründer*innen der LAG. 12 Jahre bleibt die LAG Lesben in NRW im Seitenflügel der ehemaligen Druckerei- und Werkstatthallen, wo bis zu ihrem Verbot 1956 die KPD ihre Zeitung verlegte und vertrieb. 2015 müssen die frauenberatungsstelle Düsseldorf e.V. und ihre Nachbar*innen, darunter auch das Off Theater „Flin“ ausziehen – ein Investor baut das Gebäude mitsamt Hinterhof zu Loft-Wohnungen um. Die LAG Lesben in NRW hat da bereits seit 2011 ihre Geschäftsstelle in der Oberbilker Sonnenstraße. Die frauenberatungsstelle Düsseldorf e.V. ist heute in der Talstraße zu finden.

Ab 2001 arbeitet die LAG Lesben mit ihren Mitgliedsgruppen intensiv an Jahresthemen. Einen der ersten Schwerpunkte setzte die Landesarbeitsgemeinschaft mit dem zeitaktuellen Blick auf „Lesbisches Leben als Fluchtgrund – Asyl in Deutschland“. Zusammen mit dem Evangelischen Flüchtlingsreferat Düsseldorf veranstaltet die LAG Lesben in NRW im Oktober 2001 den Fachtag gleichen Namens. Von dem Kongress im „Haus der Kirche“ in Düsseldorf gingen wichtige Impulse aus, er prägte die Debatte um intersektionale Perspektiven auf Verfolgungs- und Diskriminierungsgegenwarten und LGBTIQ*-Feindlichkeit im Kontext von Flucht und Asyl – nicht zuletzt, weil dort geflüchtete Frauen berichteten und ihre Erfahrungen und Einschätzungen festgehalten wurden. So findet die Dokumentation der Tagung Eingang in die akademische Forschung und in die Archive. Gitta Büchner, Mitbegründerin der „IHRSINN“, hielt damals einige Gedanken zum Kongress fest. Der Text findet sich heute im Quellenkanon zur Geschichte der Neuen Frauenbewegung (vgl. Ilse Lenz (Hrsg.): Die Neue Frauenbewegung. Abschied vom kleinen Unterschied. Eine Quellensammlung, 2., aktual. Auflage, Wiesbaden (2010): Springer.

Mit einer Auftaktveranstaltung in Aachen starten die Aktionswochen „Lesben in Sicht“. Über den gesamten Sommer und bis in den Herbst hinein finden in Nordrhein-Westfalen dezentral Veranstaltungen, Podien, Diskussionen und Kulturevents statt, begleitet von der Ausstellung „Lebenswege lesbischer Frauen“. Die mobile Tafelausstellung geht über die nächsten Jahre immer wieder auf Reisen.
Vorbild für die Kampagne war ihre Vorgängerin: 1999 entwickelte die Lesbenberatungsstelle LeTRa in München eine Sichtbarkeitskampagne, deren Name – als erfolgreicher Claim – auch für NRW übernommen werden konnte.

Endlich: Der „Akzeptanzkampagne“ stehen endlich Ressourcen zur Verfügung. Zunächst mit einer ¼ Hauptamtlichenstelle. Damit sind auch Weichen gestellt: In den folgenden Jahren wird die LAG Lesben in NRW Projektträgerin zahlreicher größerer und kleinerer Projekte sein, über kurze Strecke oder längere Zeit, zu den verschiedensten Themen lesbischer Sichtbarkeit, des Supports im Alltag, zu lesbenpolitischen Themen, zur Frauen- und Lesbengeschichte: z.B. mit den Projekten rund um die Beratung von und für „Regenbogenfamilien“, von Lesben und queers mit Kind(erwunsch), zum Veranstaltungsprojekt „Lesben in Sicht“ und vielen anderen.
Mit 24 anwesenden Initiativen und ihren Vertreterinnen.
Als Sprecher*innen, in der Sprache des Vereinsrechts: als „Vereinsvorstand“, haben sich in den über 20 Jahren des Bestehens der LAG Lesben in NRW e.V. 24 Lesben als Einzelpersonen oder aus rund 13 Mitgliedsorganisationen oder Initiativen heraus engagiert, darunter: LesLie e.V. Mönchengladbach, Frauenkultur e.V. Aachen, Golden Sixties Düsseldorf, Rosa Strippe e.V. Bochum, Kommunikations Centrum Ruhr e.V. (KCR Dortmund), frauenzentrum urania e.V. Wuppertal, PULS Düsseldorf, Rubicon e.V. Köln, frauenberatungsstelle Düsseldorf e.V., gerne anders e.V. Mülheim an der Ruhr, FLiP e.V. Essen, Wirtschaftsweiber NRW und Form Up! Bochum.
„Silvester ist unser Abschluss und 2009 ist das Rosa Geschichte“.
Nach 30 Jahren schließt das Café Rosa Mond seine Türen. Es war wichtiger Ort für die LAG Lesben in NRW., zahlreiche Vollversammlungen und Arbeitsgruppen fanden unter dem Dach des Café Rosa Mond statt. Auch wenn die berühmten ‚wilden‘ Jahre des „Rosa“ am Oberbilker Markt und in der Oberbilker Allee mit dem Party-Highlight „Rosa Donnerstag“, als Ort von Kultur und Politik Ende der 1990er Jahre mit dem Umzug in die Räumlichkeiten des LuSZD in Düsseldorf Lierenfeld ausklangen: Das Café Rosa Mond ist zweifellos ein Stück LAG Lesben in NRW-Geschichte.
Die Schriftstellerin Mirjam Müntefering ist erste Preisträgerin des Augspurg-Heymann-Preises der Landesarbeitsgemeinschaft Lesben in NRW. Der Tag der Preisverleihung ist nicht zufällig der 40. Jahrestag des Christopher Street Day in New York. Geehrt wird mit Mirjam Müntefering eine Schriftstellerin, die – ganz im Sinne des Anliegens des Preises – mit ihren Romanen lesbischer Sexualität, Alltagen und vor allem auch Herausforderungen lesbischer Sichtbarkeit Ausdruck verleiht. Durch den Preisverleihungsabend im Internationalen Zentrum Köln führte die Künstlerin und Kabarettistin Kordula Völker.

Die ARCUS-Stiftung für schwule und lesbische Selbsthilfe erblickt das Licht der Stiftungswelt – als Gründung der LAG Lesben in NRW und des Schwulen Netzwerk NRW. Ein Jahr vorher – im März 2009 entstanden die ersten Vorschläge für eine Satzung.

Die LAG Lesben in NRW nimmt Abschied aus der Ackerstraße. Seit 1999 hatte sie dort im Seitenflügel der Ackerstraße 144 ein Büro, in der zweiten Etage des Hauses, in der auch die frauenberatungsstelle Düsseldorf e.V. ihre Beratungs- und Büroräume hatte. Mit dem Umzug in die Sonnenstraße 14 kann sich die LAG Lesben in NRW zwar räumlich etwas vergrößern, aus Platzgründen befindet sich das Kampagnen-Büro für „Anders & Gleich“ noch in den Räumen des ehemals „Schwulen Netzwerk NRW“. Erst in 2019 zieht die LAG innerhalb des Gebäudes um und hat nun ausreichend Platz für die Informations- und Aufklärungskampagne (www.aug.nrw).
Der Umzug in größere Räume war auch deshalb notwendig geworden, weil die Geschäftsführung der LAG Lesben in 2019 endlich Unterstützung durch eine weitere hauptamtliche Mitarbeiterin bekam.
Am 16. September 2011 berichtet das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen an die Landesregierung zum Thema „Frauen und Mädchen im Sport nach der FIFA-Frauenfußball-WM“ über die „Initiative der LAG Lesben in NRW e.V. ‚Fußball ist alles – auch lesbisch“:
„Die LAG Lesben in NRW e.V. hat die Frauenfußball-WM zum Anlass genommen, in Kooperation mit dem LSVD-Lesben- und Schwulenverband Deutschland e.V. auf die nach wie vor existierende Diskriminierung und Unsichtbarkeit von lesbischen Frauen in der Fußballwelt (als Spielerin, Trainerin/Betreuerin, Fan, Schiedsrichterin etc.) aufmerksam zu machen. Dazu wurden Plakatmotive und andere Medien erstellt, die die nach wie vor vorhandene homophobe Stimmung und Haltung von Teilen der Gesellschaft sowie die Ängste der Homosexuellen selbst ansprechen.“ (LT-Drucksache Vorlage 15/839, Link zum Dokumentenservice des Landtag NRW).
Mit ihrer Kampagne „Fußball ist alles – auch lesbisch“ kam die LAG Lesben in NRW tatsächlich aber auch zu überraschend großer Reichweite. Denn ein nur wenige Quadratmeter großes Banner mit dem Slogan war wiederholt Aufreger am Stadioneingang. In Frankfurt (30.06.2011) beim Vorrunden-Spiel Deutschland : Nigeria wurde das Banner am Eingang einbehalten. Ganz ähnlich in Mönchengladbach am 5. Juli 2021, als die französischen Fußballerinnen gegen die deutschen Spielerinnen antreten. Man wolle keine Politik im Stadion, wird seitens der Fifa argumentiert. Die entschuldigt sich nur unter Druck aus den Medien bei der LAG Lesben in NRW – sorgt zugleich mit ihrer restriktiven Haltung gegenüber der Aktion für lesbische Sichtbarkeit im Fußballstadion für unverhoffte Aufmerksamkeit.

Bei der Präsentation zum Kampagnen-Start im Oktober 2012 erinnert Ministerin Barbara Steffen (Bündnis 90 / Die Grünen, Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen) an die Befunde der Einstellungsforschung: Die empirische Sozialforschung messe über Umfragen zu „Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ auch aktuell, dass gut die Hälfte der bundesweit Befragten etwa der gleichgeschlechtlichen Ehe ablehnend gegenüberstehe. Auch in NRW gäbe es ein „breites homophobes Klima“, so die Ministerin, „nicht nur an Schulen, sondern auch am Arbeitsplatz und in der Öffentlichkeit“. Neben subtilen Formen LGBTIQ-feindlicher Haltungen seien Menschen in NRW noch immer „in erschreckendem Maße Diskriminierungen und Anfeindungen ausgesetzt, nur weil sie nicht heterosexuell sind“, zitiert das Magazin queer.de die NRW-Ministerin (Norbert Blech: anders und gleich. NRW startet neue Akzeptanzkampagne, in: queer.de (17.10.2012), URL: https://www.queer.de/detail.php?article_id=17647). Seit 2012 setzt sich „anders und gleich. Nur Respekt wirkt“ dafür ein, dass sich daran etwas ändert. Die Kampagne klärt über sexuelle und geschlechtliche Vielfalt auf, fördert die Akzeptanz und Wertschätzung von LGBTIQ, unterstützt die Selbsthilfe der Communitys, schafft Aufmerksamkeit für Diskriminierung und Gewalt und positioniert sich konsequent dagegen.
Was mit einer Plakatkampagne begonnen hat, ist heute gewachsen: Es gibt die Broschüre „Sag was!“, die hilft, mutig und schlagfertig auf LGBTIQ-Feindlichkeit zu reagieren. Ein Glossar (auch in Deutscher Gebärdensprache und in Leichter Sprache) erläutert – wie die „Fibel der vielen kleinen Unterschiede“ – wichtige Begriffe zu sexueller und geschlechtlicher Vielfalt. Eine Netzwerk- und Angebotssuche zu LGBTIQ-Strukturen, Akteurinnen und Angeboten hilft, vor Ort im Kontakt zu sein. Außerdem sorgt die Kampagne mit Info- und Sichtbarkeitsmaterial für Aufmerksamkeit und organisiert oder vernetzt Wissenstransfers und politische Bildungsarbeit, vor Ort und unterwegs (www.aug.nrw). Die Kampagne wird (Stand: April 2022) gefördert aus Mitteln des Ministeriums für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen und arbeitet mit vielen Kooperationspartnerinnen zusammen (Netzwerk Geschlechtliche Vielfalt Trans NRW, SCHLAU NRW, Queeres Netzwerk NRW, rubicon., Landeskoordination Anti-Gewalt-Arbeit für Lesben, Schwule & Trans* in NRW, „gerne anders!“ NRW-Fachberatungsstelle sexuelle Vielfalt & Jugendarbeit, regenbogenfamilien-nrw, Fachstelle Queere Jugend NRW, Grimme-Lab u.v.m.)

Dr. Christiane Leidinger aus Berlin und Lena Laps aus Bochum machen die Jury des Augspurg-Heymann-Preises darauf aufmerksam, dass Lida Gustava Heymann 1907 auf einer Veranstaltung des Verbandes Fortschrittlicher Frauenvereine in Frankfurt am Main mutmaßlich sagte, dass man sich nicht scheuen dürfe, „Gesetze für die Vernichtung körperlicher und geistiger Krüppel“ zu erlassen (zitiert aus der Frankfurter Zeitung vom 27.9.1907, Nr. 268). Mit diesem Hinweis beginnt eine konstruktive Auseinandersetzung mit den Biographien der beiden wichtigen feministischen Friedensaktivistinnen und Akteurinnen der bürgerlichen, ersten deutschen Frauenbewegung. Das Archiv der Deutschen Frauenbewegung in Kassel unterstützt die LAG Lesben in NRW mit einer ergänzenden Einschätzung. Verband, Vorstand und Jury beschäftigen sich intensiv mit den Ambivalenzen von Vorbildern. Es entsteht eine „Chronik“ des Augspurg-Heymann-Preises im Wandzeitungsformat (NL-LAG 05). Für 2016 wird die Preisverleihung ausgesetzt.
Die Jury des LAG Lesben in NRW-Preises berät über Entwürfe für eine neue Preis-Figur, die „goldene Wächterin“. Das neue Konzept wird aber verworfen, die Gespräche und Entwicklungsideen bleiben intensiv.
Mit einer großen Party am Abend, vor allem aber mit Inputs, Workshops, Vorträgen und Austausch zu den Themen Identitäten, Lookismus, Diversität, Generationen, Regenbogenfamilien und internationale Solidarität feiert die LAG Lesben in NRW ihren 20. Geburtstag im Ruhrturm in Essen.

Die LAG Lesben in NRW hat sich nach reiflicher Diskussion entschieden, den
Augspurg-Heymann-Preis
für couragierte Lesben umzubenennen. 2017 entsteht mit dem CouLe-Preis eine Auszeichnung, die Vielfalt und Verletzlichkeit und das Konzept der Widerständigkeit unterstreicht – als Preis für couragierte Lesben, der ermutigt und Sichtbarkeit herstellt. Dabei ist wichtig: Der Preis „reflektiert die herausragenden Leistungen der bereits Ausgezeichneten ebenso wie er eine Ehrung für weitere lesbische Vorbilder darstellt. Oder anders gesagt: Die CouLe ist gleichzeitig Brückenbauerin und Zäsur“. Die Künstlerin Regine Rostalski entwirft auf diesen Grundgedanken eine Skulptur aus dem Werkstoff Metall. Die Preis-Figur wird 2017 zum ersten Mal verliehen. (NL-LAG 19)

Viel zu wenig ist bekannt über die Lebenslagen und Erfahrungen, von Ausschlüssen und Diskriminierung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans*, Inter* und queeren Menschen mit unterschiedlichen Formen von Handicaps, mit chronischen Erkrankungen bzw. mit psychischen oder physischen Bedarfen der Unterstützung. Diese Leerstelle geht das Projekt „NRW LSBTIQ*-inklusiv“ an. Initiiert wurde das Projekt durch die Mitgliedsgruppen queerhandicap e.V. und BIE queer e.V., durchgeführt in Trägerschaft der LAG Lesben. Zusammen mit der Fachhochschule Bielefeld realisiert BIE queer e.V. eine Erhebungsstudie. Über leitfadengestützte Interviews mit Betroffenen und Akteur*innen aus Beratungs- und Supportstrukturen für Menschen mit Handicaps, mit dem Blick in die Sozialgesetzgebung und mit Erhebungen zur Alltagssituation von LGBTIQ* mit Handicaps entsteht ein erster, bundesweit einmaliger Einblick in Alltags- und Lebenssituationen von LGBTIQ*-Personen, die im Alltag auf kleinere oder große Unterstützung angewiesen sind und darum mitunter multiple Ausgrenzungs- oder Diskriminierungserfahrungen machen.
Die Studie kommt zu dem Fazit, dass Diskriminierungs- und Ausgrenzungserfahrungen für LGBTIQ* signifikant höher ist, wenn sie etwa in Werkstätten für Menschen mit Behinderung arbeiten oder bei Behörden Unterstützungsleistungen für die Bewältigung ihrer Handicaps beantragen möchten. Es wird klar: Intersektionalität von Ausgrenzung und Diskriminierung ist deutlich sichtbar, die Erfahrung von Mehrfachdiskriminierung begleitet LGBTIQ* mit Handicaps mitunter ein Leben lang.
Auf dem Fachtag „NRW LSBTIQ*-inklusiv“ (20./21.11.2020), der maßgeblich von queerhandicap e.V. organisiert und durchgeführt wurde, werden im Plenum und in Workshop-Runden Handlungsfelder deutlich. Diskutiert werden Bedarfe und lösungsorientierte Ansätze, die die Community und ihre Selbstorganisierungspotentiale, vor allem aber auch die gesellschaftliche Verantwortung für die Verbesserung der Alltagssituationen von LGBTIQ* mit Beeinträchtigungen in den Blick nehmen. Das Projekt wird seitdem kontinuierlich weitergeführt. 2021 wurde ein Runder Tisch „NRW LSBTIQ* inklusiv etabliert, an dem auch die LAG Lesben beteiligt ist (https://www.lsbtiq-inklusiv.nrw/).
Anliegen des Runden Tisches ist queere Themen in die Regelstrukturen der Behindertenhilfe einzubringen, die Selbsthilfe von queeren Menschen mit Beeinträchtigungen zu stärken und in den queeren Communities mehr inklusive Strukturen zu schaffen.

In Trägerschaft der LAG Lesben in NRW führen die „Wirtschaftsweiber“ (Köln) Projekte zu „Diversity in Klein und Mittelständischen Unternehmen“ durch.
Die weltweite COVID19-Pandemie hat auch in NRW – auch für LGBTIQ* – weitreichende Konsequenzen im Gepäck. Das betrifft unsere Alltage – z.B. im Kontext von Familiensituationen und Arbeitsleben. Aber auch die wichtigen, besonderen Anlässe fehlen. Im Sommer 2020 müssen etwa alle CSD- und Pride-Paraden ausfallen. Unter dem Dach der Kampagne „anders und gleich“ bei der LAG Lesben in NRW e.V. entsteht allerdings eine alternative Idee, die diese Leerstelle aufzuzeigen und ein Stückweit füllen helfen kann. Unterstützt vom Landesministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration machen sich die LAG Lesben in NRW e.V., das Queere Netzwerk NRW e.V., das Netzwerk Geschlechtliche Vielfalt Trans* NRW und der LSVD NRW auf den Weg: Es entsteht eine NRW-weite, interaktive Plakatkampagne, die in 18 Städten für Sichtbarkeit von LGTBIQ* sorgt – mit den Hashtags #CSDNRW2020 und #andersundgleich erreicht die Frage „Wo sind denn alle?“ tausende Nutzer*innen über Social Media und macht den Gedanken des CSD auch in Zeiten eingeschränkter Möglichkeiten im sozialen Miteinander sichtbar.
Unter dem Motto „Shine Pride“ erleuchten in Köln die Stadtmauer am Kölner Tor, in Wuppertal das Barmer Rathaus und das Rathaus in Paderborn in Regenbogenfarben.

Im ausZeiten-Archiv, dem feministischen Archiv und Dokumentationsort für „Bildung, Information, Forschung und Kommunikation für Frauen“ entsteht mit der Homepage „SpielRäume Lesben & Sport“ (http://lesbenundsport.auszeiten-frauenarchiv.de) ein Tor zur Sportwelt von und mit weiblichen Akteur*innen, das digital mit der wachsenden Material-Präsentation und Sammlungsdarstellung (aber auch ganz analog im Archiv in Bochum) durchschritten werden kann: „Wir bieten Einblicke in die sportlichen Seiten unseres feministischen Archivs. Es darf in Erinnerungen an große Fußballereignisse geschwelgt werden, an Gay Games in aller Welt, an harte Kämpfe und leichtfüßige Spielereien.
Wir bieten Einblicke in unsere Archivschätze, die – auch ohne vorheriges Muskeltraining – vor Ort gehoben werden können, in denen gestöbert und geforscht werden darf“, lädt das ausZeiten ein. Das Projekt der LAG Lesben in NRW wird unterstützt durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen.

Das Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration (MKFFI) NRW macht einen wichtigen Schritt und schreibt ein Verfahren zur Einrichtung einer Meldestelle für Queerfeindlichkeit aus. Dieses Vorhaben war in den Jahren zuvor in der gemeinsamen Diskussion von MKFFI und queeren Organisationen im Aktionsplan „Impulse 2020“ entwickelt worden. Zusammen mit dem Queeren Netzwerk NRW e.V. als Projektträger, dem LSVD NRW, dem Netzwerk Geschlechtliche Vielfalt Trans* NRW und dem rubicon e.V. nimmt die LAG Lesben in NRW die Arbeit für die Entwicklung einer „Meldestelle Queerfeindlicheit“ auf. Damit wird in NRW eine empfindliche Lücke gefüllt: Denn es fehlt bislang jede Erhebung zu LGBTIQ-Feindlichkeit als Motiv von Gewalt und Diskriminierungssituationen. Im Sommer 2023 wird die Meldestelle ihre Arbeit aufnehmen. Es ist gut, dass sich die Expertinnen konzentriert mit einem zukunftsfesten Konzept vorbereiten können.
Bemerkenswert ist auch, dass hier die genannten queeren Organisationen gemeinsam ein derartig wichtig Projekt durchführen. Die Meldestelle wird in enger Kooperation und begleitet von einer gemeinsamen Steuerungsgruppen aufgebaut.
Dabei wird die Meldestelle Queerfeindlichkeit Teil eines bundesweit einzigartigen, koordinierten Systems von insgesamt fünf Fachstellen sein: neben dem Bereich der Meldestellen zu Gewalt und Diskriminierung mit Motivlage Antisemitismus wird es in NRW zukünftig Meldestellen zu Antiziganismus, antimuslimischem Rassismus, anti-Schwarzen, anti-asiatischen und anderen Formen von Rassismus geben.

Mit Gästinnen, LAG-Aktiven, Freundinnen und Unterstützer*innen feiert die Landesarbeitsgemeinschaft Lesben in NRW ihr Jubiläum als Landesorganisation.
Über 15 Jahre nach den ersten Verhandlungen ist es nun so weit: aus der LAG Lesben NRW und dem Queeren Netzwerk NRW wird ein Verein. Die Mitgliedsorganisationen aus ganz NRW sprachen sich mehrheitlich für den Zusammenschluss der beiden Landesverbände aus. Gemeinsam treten sie in Zukunft unter dem Namen Queeres Netzwerk NRW auf. Die Selbstorganisation und Interessensvertretung von Lesben bleibt im neuen Verband mit einem Besonderen Organ (LiNa) verankert.
„Das ist ein historischer Schritt für eine starke, streitbare Community,“ erklärte Heike Kivelitz, Vorständin der LAG Lesben und nun im neuen Queeren Netzwerk NRW. „Als 2007 die ersten Verhandlungen über eine Vereinigung unserer Verbände geführt wurden, war ich schon dabei. Die Vereine, die sich heute zu einer Fusion entschlossen haben, sind im Vergleich zu damals nicht mehr wiederzuerkennen.“ Kivelitz bezog sich dabei auf die intensiven Prozesse der Verbandsentwicklung, in denen Themen wie das Selbstverständnis queerer Community-Arbeit, die Sichtbarkeit queerer Frauen und die trans- und interinklusive Gestaltung von Vereinsstrukturen im Mittelpunkt standen. Erarbeitet wurden in diesem Zusammenhang etwa ein Leitbild, in dem sich der Anspruch intersektionaler Arbeit für Selbstbestimmung und Akzeptanz niederschlagen, und eine Wahlordnung, die eine Geschlechterquotierung vorsieht. „Durch diese intensive Entwicklung haben wir es geschafft, die Basis für eine vertrauensvolle und authentische Zusammenarbeit als EINE Community geschaffen.“
